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In kleinen Schritten zu nachhaltigen Produkten

09.08.2022
Den großen Plan für das komplexe Thema Nachhaltigkeit, den man einfach an das eigene Unternehmen anpassen kann – ihn gibt es wohl nicht. Weil aber auch Medizinprodukte nachhaltiger werden müssen, ist der beste Weg, mit kleinen Testprojekten zu beginnen und alle Bemühungen in einen eigenen Plan einzubinden. Beispiele zeigen, wie das aussehen kann und wo es Unterstützung gibt.

Nachhaltigkeit? „Wir sind dran.“ Die Antwort ergibt Sinn, in beiden möglichen Varianten. Schließlich sind „alle“, so auch Gesundheitswesen und Industrie, aufgerufen, sorgsam mit Ressourcen aller Art umzugehen. Das ist der einzige Weg, um folgenden Generationen nicht schon jetzt das Leben auf der Erde zu vermiesen. Und mit „wir sind dran“ – im Sinne von „wir haben schon mal angefangen, aber noch keine vollständig zufriedenstellende Lösung gefunden“ – lässt sich der aktuelle Stand der Dinge in Sachen Nachhaltigkeit auch ganz gut zusammenfassen.

Lohnt es sich trotzdem, das Thema jetzt für die Branche Medizintechnik zu diskutieren? Ja. Denn gerade weil Nachhaltigkeit so viele Facetten hat, wird es Zeit brauchen, das individuelle Ziel zu definieren und zu erreichen. Oder anders ausgedrückt: „Es hat keinen Sinn, auf den großen Wurf zu warten, auf die ultimativen Best-Practice-Beispiele oder ein fertiges Konzept, das sich auf jedes beliebige Unternehmen übertragen lässt.“ So beschreibt es Prof. Wolfgang Boos von der RWTH Aachen. Für den geschäftsführenden Oberingenieur am Lehrstuhl für Produktionssystematik am Werkzeugmaschinenlabor (WZL) ist Nachhaltigkeit „eine Herzensangelegenheit“. Wie sich das in der Produktion umsetzen lässt – auch in der Medizintechnik –, wird später noch Thema sein.

​Auch Krankenhäuser streben mehr Nachhaltigkeit an

Aber vor dem „wie“ steht ja noch das „warum eigentlich?“ Eine Begründung dafür, auch bei Medizinprodukten die Nachhaltigkeit auf der Prioritätenliste nach oben zu schieben, sind Anforderungen der Kunden, vor allem der Krankenhäuser. „Eine Klinik der Vollversorgung hat viele Gebäude, Anlagen, Aspekte, die bisher zu einem hohen Kohlendioxid-Ausstoß führen“, sagt Frank Dzukowski. Er leitet am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Vorstandsstabsstelle für Nachhaltigkeit und Klimamanagement. „Wir sehen natürlich unsere gesellschaftliche Verantwortung, etwas zu tun und unsere Arbeitsweise zu verbessern.“

Am UKE haben solche Überlegungen Tradition. Die ersten Projekte starteten 2009, als die Arbeitsgruppe „Das grüne UKE“ begann, umweltrelevante Aspekte des Unternehmens Krankenhaus zu beschreiben. 2014 wurde die Nachhaltigkeit zu einer von fünf Säulen, die die Weiterentwicklung der Klinik tragen. Seit 2020 bündelt die Stabsstelle die Aktivitäten. Das Ziel: Wie die gesamte Stadt Hamburg soll das UKE bis 2040 klimaneutral sein.

Ansatzpunkte dafür sind natürlich Heizungs- und Lüftungsanlagen, eine möglichst umweltgerechte Mobilität der Mitarbeiter und vieles mehr. Ebenfalls auf der langen Liste: die Nachhaltigkeit bei Medizinprodukten. Daten dazu seien bisher nur schwer zu bekommen, sagt Stabsstellenleiter Dzukowski. Man arbeite zum Teil mit Schätzungen. Ein Beispiel: Betrachte man den Stromverbrauch von Medizingeräten, so mache dieser einen Anteil von 20 bis 25 % des gesamten Stromverbrauchs des Klinikums aus. Ob ein Haus eine Radiologie betreibt und dazu ein IT-System, das die Daten verwaltet, spielt dabei natürlich eine Rolle, ebenso die Zahl der Operationssäle mit ihren vielen Geräten. Unabhängig von Details: Da steckt Potenzial für Verbesserungen.

Patientensicherheit mit dem Klimaschutz vereinbaren

Das gilt laut Dzukowski genauso für das Verbrauchsmaterial, von der Elektrode über den Katheter bis zum Schlauch. „Natürlich kann man nicht einfach etwas an den Produkten verändern, denn die sichere Diagnose und Therapie für die Patienten stehen an erster Stelle.“ Aber man könne es klug anfangen und versuchen, Patientensicherheit mit einem verbesserten Klimaschutz zu vereinbaren.

Diese Frage mit Herstellern zu diskutieren, erfordere oft aufwendige Kleinprojekte. Fachleute erstellen eine Gefährdungsanalyse, um zu sehen, wo sich Ansatzpunkte bieten könnten. Muss es eine Kunststoffverpackung sein? Kann diese entfallen, wenn die Raumluft im Lager anders eingestellt ist? „Das ist ganz schnell eine komplexe Geschichte.“

Mittelfristig bitte CO2-neutrale Medizinprodukte

Trotzdem werden Aspekte der Nachhaltigkeit in Ausschreibungen schon jetzt mit berücksichtigt – auch wenn bisher die Bedienbarkeit oder die Patientensicherheit den Ausschlag geben. „Mittelfristig erwarten wir aber, dass Hersteller uns ihre Produkte CO2-neutral zur Verfügung stellen, wie es sich im Consumer-Bereich jetzt schon durchsetzt“, sagt Dzukowski.

Solche Erwartungen werden nicht nur in Hamburg formuliert. Das Universitätsklinikum Heidelberg beispielsweise startete im Juli 2022 mit einem Kick-off-Event ein neues Projekt. Ziel: Den vollständigen Treibhausgasausstoß zu ermitteln, inklusive Lieferketten und Mobilität von Mitarbeitenden, Patienten und Besuchern, Emissionen für Medikamente, dem Entsorgen der Abfälle und Emissionen durch Medizinprodukte. Unter anderem geplant ist ein Pilotprojekt zur Mülltrennung in einem OP-Bereich, um Praxistauglichkeit und Effekte zu überprüfen.

Was diese Entwicklung für Hersteller bedeutet, fasst Britta Norwat zusammen: „Nachhaltigkeit ist kein ‚nice to have‘ mehr, sondern Bestandteil wirtschaftlichen Denkens.“ Norwat leitet bei Medical Mountains in Tuttlingen das Ressort Innovationsprojekte und organisiert auch das Innovation Forum im Oktober 2022 – bei dem Frank Dzukowski als Keynoter über die Herangehensweise des UKE berichtet.

In der Medizintechnik gibt es noch Nachholbedarf

Dass Nachhaltigkeit die Medizintechnik betrifft, betont auch Ronald Kröger, der in der B.Braun-Konzernzentrale in Melsungen als Sustainability Manager tätig ist. Das Team, in dem er arbeitet, entstand im Jahr 2021. „Generell kann man sagen, dass die Medizintechnik als Branche noch Aufholpotenzial hat, was die Nachhaltigkeit angeht“, sagt Kröger. Über die Gründe dafür könne man spekulieren, entscheidend sei, dass Anforderungen auch an Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich formuliert werden. „Unsere Kunden fragen vermehrt nach, was wir in dieser Richtung tun.“

Nachhaltigkeit von Medizinprodukten außen vor zu lassen ist schlecht für den Umsatz

Das gelte besonders für Skandinavien und für das Vereinigte Königreich. Krögers Fazit braucht wenige Worte: „Wenn wir in Sachen Nachhaltigkeit nichts tun, verlieren wir Umsätze.“ Selbst Banken berücksichtigten in Kreditverträgen inzwischen, was der Kreditnehmer hier vorzuweisen hat. Für ein traditionsreiches Unternehmen wie B.Braun sei es aber selbstverständlich, nicht in Quartalszahlen zu denken, sondern in Zeiträumen, die Generationen umfassen. „Wir müssen und wollen unseren Beitrag leisten, um dem Klimawandel entgegenzutreten.“

Auf Konzernebene und angesichts von rund 5000 Produkten ist Nachhaltigkeit allerdings eine komplexe Angelegenheit. Eine Roadmap definiert bereits Ziele. Zum Beispiel den CO2-Ausstoß bis 2030 zu halbieren, den Einfluss der Lieferkette zu berücksichtigen und Produkte, Dienstleister, Prozesse und Logistik unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu optimieren.

Ohne eine zentrale Abteilung wäre das kaum zu schaffen, sagt Kröger. „Es gibt so viele Ansatzpunkte – und je größer das Unternehmen, desto wichtiger ist es, die Aktivitäten in Bahnen zu lenken. Wenn wir zum Beispiel an Life Cycle Assessment denken, müssen wir konzernweit einheitlich rechnen, sonst kommen wir nicht zu sinnvollen Ergebnissen.“

Dafür wird auch externes Wissen gebraucht. Der Melsunger Konzern hat daher seinen B.Braun-Accelerator 2022 dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Im Rahmen des „Accelerator“ stellen innovative Unternehmen Lösungen vor, mit denen B.Braun aktuellen Anforderungen gerecht werden kann. Software und Systeme für das Life Cycle Assessment, das Erfassen der relevanten Daten über den gesamten Produktlebenszyklus, zählen dazu.

Verpflichtende Nachhaltigkeitsberichte: Ein weiterer Faktor, der drängt

Zeitlichen Druck, bei der Nachhaltigkeit voranzukommen, erzeugt auch die von der EU vorgegebene Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Sie sieht vor, dass Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und mehr als 40 Mio. Euro Umsatz ab 2025 jährlich über ihre Aktivitäten in Sachen Nachhaltigkeit Rechenschaft ablegen müssen. „Da rollt eine Riesenwelle an Vorgaben auf uns zu“, sagt Kröger.

Kleine Unternehmen müssen solche Reports zwar nicht erstellen. Doch wenn ihre (größeren) Kunden, wie zum Beispiel Krankenhäuser, berichtspflichtig sind, werden sie auf Zahlen aus der Lieferkette angewiesen sein – und auch Investoren dürften sich für das Thema interessieren. Darauf weist die Berliner Ökotec Energiemanagement GmbH hin, die Softwarelösungen und Beratung für den Weg zur klimaneutralen Wirtschaft anbietet.

Mit nachhaltigen Lösungen auf die Krankenhäuser zukommen

Doch es gibt ja schon Medizinproduktehersteller, die sich intensiv mit der Nachhaltigkeit befassen und auf die Krankenhäuser zukommen. Genau diesen Ansatz hat auch Daniel Unger verfolgt. „Ich wollte Lösungen, keine Claims“, sagt Unger, der bei Ethicon, einem Geschäftsbereich von Johnson&Johnson Medtech, zunächst im Vertrieb gearbeitet hat und auch die Wünsche von Medizinern und Pflegepersonal zu Abfall und Nachhaltigkeit zu hören bekam. Seit Mai 2022 ist er in Vollzeit Sustainability Manager, und aus seiner Sicht ist klar: Für Anwender von Medizinprodukten entstehe „eine kognitive Dissonanz“, wenn Hersteller Nachhaltigkeit zum Ziel machen, es aber immer noch jeden Tag „Berge von Müll im Operationssaal gibt“.

Daher wollte Unger handeln, Ideen mit umsetzen und das Gelernte möglichst schnell in größerem Maße nutzen. Bisherige Bilanz: Zwei Recycling-Projekte zu Einweginstrumenten und Aluminiumbestandteilen in Verpackungen sind abgeschlossen, ein Projekt zu umweltfreundlicheren Verpackungen ist in Arbeit, weitere sind geplant. Alle haben klein angefangen, mit überschaubaren Tests.

„Ich glaube, dass es nur so wirklich vorangeht“, sagt der Sustainability Manager, „nach dem Motto ‚einfach mal anfangen‘.“ Im Konzern habe er dafür viel Unterstützung bekommen, soziale und ökologische Nachhaltigkeit sei bei Johnson&Johnson schon lange Tradition.

Medizintechnik: Den Erfolg von Projekten zu Nachhaltigkeit mit Zahlen belegen

Laut Unger hängt der Erfolg von Nachhaltigkeitsprojekten auch davon ab, dass sich eine Verbesserung datenbasiert nachweisen lässt. „Ich muss belegen können, dass eine Recycling-Idee am Ende – trotz zusätzlicher Transportschritte und der Aufwände für die Weiterverarbeitung – zu einem niedrigeren Kohlendioxid-Ausstoß führt als die Verbrennung eines Einmalproduktes“, sagt er.

Diesen Nachweis zu führen, sei nicht einfach. Daher hat Ethicon externe Partner gesucht. Es gab Sitzungen mit einem Entsorgungsdienstleister, mit Fachleuten aus der Stadt Hamburg und dem Land Schleswig-Holstein. So richtig Schwung in die Sache brachte der Kontakt zu einem spezialisierten Start-up in der Hansestadt, der Resourcify GmbH. „Resourcify hat es geschafft, das Abfallgeschehen zu digitalisieren“, erläutert Unger. Die Plattform veranschauliche, welcher Abfall wo entsteht, was damit passiert und wo es eventuell Entsorger gibt, die damit etwas anfangen können. „Man hat das Gefühl, dass die Details bis zum Inhalt des Papierkorbs unter meinem Schreibtisch reichen.“ Genau das sei erforderlich, um zu belegen, dass eine Maßnahme den CO2-Ausstoß tatsächlich senkt.

Manchmal machen Details das Recycling zur Herausforderung

Doch es geht nicht nur darum, das Ende des Produktlebenszyklus genauer zu betrachten. „Die Zusammenarbeit hat auch gezeigt, dass eine Verpackung für orthopädische Schrauben in der aktuellen Form nicht recycelbar war“, erzählt Unger. Vier Werkstoffe, ein Klebeband für den Verschluss – für die Wiederverwendung ist das nicht ideal. Aber nach einer Möglichkeit auch dafür wird derzeit schon gesucht, denn so schnell wollen die Nachhaltigkeitsexperten dann doch nicht aufgeben.

Dennoch geht die Botschaft an Designer und Ingenieure, es in Zukunft anders, nämlich möglichst von Anfang an recyclinggerecht zu machen. Wie, das sei am besten bei Entsorgungsfachleuten in Erfahrung zu bringen.

Wenn mehr Medizinprodukte recycelt werden, wird ein Rücknahmesystem gebraucht

Die Projekte, die in Hamburg mit mehreren Asklepios-Kliniken für Ethicon funktionierten, ließen sich laut Unger schnell skalieren und auf andere europäische Länder übertragen. Damit hat Ethicon Vorarbeit geleistet, sagt der Sustainability Manager und will die Vorreiterrolle auch nutzen. Aber nicht für lange, das ist klar. „Wenn wir mehr recyceln und daher mehr Produkte oder Verpackungen einsammeln wollen, geht das nur, wenn nicht jeder Hersteller sein eigenes System schafft.“ Zig Abfallbehälter im OP, um alles säuberlich zu trennen? Unrealistisch. „Ich denke, dass es eher zu einer Art Allianz kommen kann. Einem einheitlichen System, das viele Hersteller nutzen wollen und auf das sie einzahlen. Das wäre meine persönliche Vision.“

Entwicklung, Verpackung, Recycling können also das Thema Nachhaltigkeit voranbringen. Aber auch in der Produktion gibt es Ansatzpunkte. Ein Beispiel dafür ist die Aufbereitung von Metallspänen im Chirurgie-Bereich von B. Braun in Tuttlingen. Bei der Produktion von Implantaten und Chirurgieinstrumenten fallen dort Prozessabwässer an. Die Entsorgung über einen Dienstleister erwies sich schon früh als kostspielig. „Daraus entstand die Idee, eine interne Lösung zu planen“, berichtet Isabell Riester, die das Thema als Umweltingenieurin bei Aesculap betreut. Geplant und genehmigt wurden eine Anlage für die Wasseraufbereitung und das Schreddern von Metallspänen schon in den Jahren 2014 und 2015. „Wie wir das System heute nutzen, leistet aber einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Unternehmens“, sagt Riester.

Potenzial für eine nachhaltigere Produktion von Metallteilen

Heißt konkret: Die Metallspäne aus Edelstahl, Titan, Kobalt-Chrom-haltigen Legierungen oder auch Aluminium sammeln die Mitarbeiter in der Fertigung sortenrein. Durch das Schreddern der Späne schrumpft das Volumen der Abfälle – der Entsorgungsdienstleister muss also seltener kommen und hat weniger zu transportieren. Das ist gut für die Entsorgungskosten, aber auch gut für den CO2-Ausstoß.

Die Späne aus hochwertigen Metallen haben zwar als Sekundärrohstoffe derzeit keine Chance, direkt in Medizinprodukten verwendet zu werden. „Dem stehen regulatorische Vorgaben entgegen“, sagt Riester. „Aber die Automobilindustrie ist offen dafür.“ Für metallene Sterilcontainer seien Sekundärrohstoffe sogar im Gesundheitsbereich verwendbar, da sie mit Patienten nicht in Kontakt kommen.

Richtung Kreislaufwirtschaft gehen die Überlegungen beim Prozesswasser. Kühlschmierstoffhaltige Lösungen oder das Abwasser aus Reinigungsschritten behandeln die Tuttlinger mit einer Vakuumverdampfungsanlage. Diese liefert am Ende ein Destillat, das alle Anforderungen erfüllt, um in kommunale Kläranlagen eingeleitet zu werden. „Aber wir würden es gern intern weiterverwenden, es in unserem Kreislauf halten“, sagt Riester. Für den letzten Reinigungsschritt an Medizinprodukten in einer validierten Anlage geht das zwar nicht. Aber für Reinigungsvorgänge im Verlauf der Fertigung, für neue Kühlschmierstofflösungen, das Ausspülen von Spänekübeln oder das Kühlen des Gebäudes könnte das Destillat interessant sein.

Einstieg ins Thema Nachhaltigkeit: Am besten über Umweltprojekte

Insgesamt sieht Riester Umweltprojekte als guten Start, um sich dem Thema Nachhaltigkeit zu nähern. Das sei auch für kleine Betriebe machbar, als erster Schritt mit vertretbarem Aufwand. „Wer ein Umweltmanagementsystem einführt, begegnet vielen Aspekten, die Nachhaltigkeit betreffen.“ Das gelte für die Zertifizierung nach ISO 14001 oder EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) für Umweltmanagementsysteme. Da sich die Vorgaben auch bei den Umweltmanagementsystemen weiterentwickeln, behalte man auf diese Weise veränderte Anforderungen gleich mit im Blick.

Bei Aesculap sollen die Ansätze bald über das Späne-Recycling deutlich hinausgehen. „Wir haben tolle Projekte in der Pipeline“, sagt Isabell Riester. FürDetails sei es noch zu früh, aber für ausgewählte Produkte aus Metall und Kunststoff sei der Einstieg in das Thema Ökobilanzen und Life Cycle Assessment, also Lebenszyklusanalysen, geplant.

Studie Sustainable Productivity zeigt Ansatzpunkte

Jetzt anfangen. Das ist, wie eingangs erwähnt, auch die Maxime von Prof. Wolfgang Boos von der RWTH Aachen. Und hier folgt auf das „Warum“ das „Wie“. Was die entscheidenden Bausteine für eine „Sustainable Productivity“ sein könnten, hat Boos mit weiteren Fachleuten in einer gleichnamigen Studie zusammengefasst. Unternehmen müssen neben finanziellen Faktoren auch ökologische und soziale Belange berücksichtigen und eine Umgebung schaffen, in der wirklich innovative Ideen für mehr Nachhaltigkeit umgesetzt werden können. Veränderungen, die nur finanzielle Vorteile, aber Nachteile bei der Nachhaltigkeit mit sich bringen, sollten Entscheider laut Boos vermeiden. Unterstützung für die Suche nach besseren Ansatzpunkten sei inzwischen über Institutionen und Verbände verfügbar, sagt er. Hauptsache, es geht los.

Je mehr Ideen umgesetzt werden, desto schneller entwickeln sich nachhaltigere Systeme ,von denen langfristig alle profitieren. Denn es lässt sich kaum leugnen, dass letzten Endes wir alle „dran“ sind.

Quelle: medizin&technik vom 09.08.2022