Veranstaltungen

News

Wann sollte ich fettig essen: Ernährungsforscher entdecken „biologische Fettstoffwechsel-Uhr“

12.12.2019
Rechtzeitig zur Weihnachtszeit haben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) und der Lipotype GmbH ihre Forschungsergebnisse zur Auswirkung von fettigem Frühstück und Abendessen auf den Fettstoffwechsel veröffentlicht. Die von ihnen neu entdeckte „biologische Fettstoffwechsel-Uhr” füllt eine Lücke in der Medizin, um Ernährung zur Prävention und Therapie zu nutzen, aber auch um zu erforschen, welche Lebensmittel zu welchen Tageszeiten für unsere Gesundheit förderlich sind.

Die Forschungsgruppe von PD Dr. Olga Ramich am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) und die Wissenschaftler von Lipotype stehen für die gleichen Ziele ein: die Bekämpfung der großen Zivilisationskrankheiten. Zusammen wollen sie Ernährung als Mittel der Prävention und Therapie für weit verbreitete Krankheiten wie Diabetes und Herzkreislauferkrankungen erschließen.

Vor vier Jahren trafen sich Forscher von beiden Seiten deshalb zu einem Gespräch in Berlin. Der Konsens war schnell gefunden: es mangelte an detaillierten, molekularen Daten über den Einfluss der Ernährung auf den Fettstoffwechsel - eine Black Box gefüllt mit wissenschaftlichen Rätseln. “In der Ernährungsforschung begannen wir gerade den Umfang grundlegender Empfehlungen wie weniger Zucker und weniger Fett zu verstehen.“, erinnert sich Dr. Christian Klose von Lipotype, „Die Fragen die wir uns in unserer Runde stellten waren jedoch weitaus komplexer. Wir wollten wissen ob es Lebensmittel mit nachweisbaren positiven Effekten für die Gesundheit gibt und was mit uns passiert, wenn wir morgens fettig essen oder abends.“ Die auf Ernährungsmedizin spezialisierte Forschungsgruppe am DIfE entwickelte eine klinische Studie, um diese Fragen zu beantworten.

Zuerst wurde der Stoffwechsel der Teilnehmer der Gesundheitsstudie mittels eines strengen Ernährungsplans kalibriert. Danach erhielt die Hälfte der Probanden ein fettiges Frühstück und ein Abendessen reich an Kohlenhydraten. Die zweite Hälfte erhielt das umgedrehte Programm: morgens Kohlenhydrate und abends Fett. Während dieser Versuchsphase wurden den Studienteilnehmern vor und nach jeder Mahlzeit Blutproben entnommen.

„Wir wollten verstehen wie der Fettstoffwechsel und die Hunderten unterschiedlichen Lipide (Fettmoleküle) des Blutes auf unser Ernährungsprogramm reagieren.“, erklärt PD Dr. Olga Ramich vom DIfE, „Außerdem wollten wir untersuchen wie die von unserer Studie ausgelösten Veränderungen im Blut-Lipidprofil in Verbindung mit der Insulin-Empfindlichkeit stehen. Denn die Insulin-Empfindlichkeit ist ein guter Indikator, um Diabetes-Risikopatienten zu ermitteln.“ Die Crux am Forschungsvorhaben: eine herkömmliche, medizinische Lipid-Analyse ist nicht detailliert genug, um diese Fragen zu beantworten. Deshalb wurden die Proben zu Lipotype für eine Shotgun Lipidomics Analyse geschickt, einem molekularen Analyseverfahren, welches hunderte von Lipiden in einer einzigen Messung abdeckt.

Die extrahierten Blut-Lipide wurden in ein Massenspektrometer geschossen. Mittels Bioinformatik wurden aus den Messergebnissen des Massenspektrometers 672 unterschiedliche Lipide ermittelt. Im Anschluss wurden Biostatistik-Methoden verwendet, um aus den Daten Graphen und Tabellen zu erstellen. „Wir entdeckten ein täglich wiederkehrendes Muster im Fettstoffwechsel – eine biologische Fettstoffwechsel-Uhr. Diese Uhr reagierte unterschiedlich auf die Mahlzeiten der zwei Testgruppen, auch wenn es sich um die gleichen Mahlzeiten zu lediglich unterschiedlichen Tageszeiten handelte.“, beschreibt Dr. Christian Klose die Ergebnisse. Als nächstes wurden die Resultate der Lipidomics Analyse den Ergebnissen der Messung der Insulin-Empfindlichkeit gegenübergestellt. Dabei wurde eine Verbindung festgestellt.

“Diese grundlegenden Ergebnisse sind notwendig, um Ernährung zur Prävention und Therapie weit verbreiteter Krankheiten zu nutzen. Sie bilden die Basis zur Erforschung der Fragestellung, welche Lebensmittel zu bestimmten Tageszeiten gegessen werden können, um die Insulin-Empfindlichkeit wieder auf ein gesundes Niveau zurückzuführen und so einer Diabetes-Erkrankung entgegen zu wirken.“, merkt PD Dr. Olga Ramich an, „Die Entdeckung der biologischen Fettstoffwechsel-Uhr unterstreicht was unsere Forschungsgruppe in der Ernährungsmedizin schon seit Jahren betont: das Konzept einer inneren Uhr lässt sich auch auf den Stoffwechsel übertragen. Gegen diese Uhr zu leben ist ungesund und erhöht das Risiko für Diabetes.“

Quelle: Pressemitteilung von lipotype vom 10.12.2019