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Richtlinie zur Förderung transnationaler Verbundvorhaben auf dem Gebiet der Systemmedizin innerhalb des ERA-Netzes ERACoSysMed

06.02.2017

1 Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage
1.1 Zuwendungszweck

Mit diesem Dokument werden die zweiten gemeinsamen transnationalen Förderrichtlinien (JTC-2) für Forschungs­projekte im Bereich der Systemmedizin im Rahmen des Netzwerks ERACoSysMed veröffentlicht. Das Netzwerk „ERACoSysMed – Zusammenarbeit zur Förderung transnationaler Forschungsprojekte in der Systemmedizin zur Implementierung systembiologischer Ansätze in klinischer Forschung und medizinischer Praxis“ ist eine ERA-NET Cofund-Initiative unter dem Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ der Europäischen Kommission. ERACoSysMed baut auf den Erfahrungen der FP7 EU-Koordinierungsmaßnahme „Coordinating Action Systems Medicine“ (CASyM) auf, die Ende 2014 eine Roadmap zur Etablierung der Systemmedizin in Europa vorgestellt hat. Diese Roadmap diente als strategische Basis zur Formulierung der Schlüsselziele von ERACoSysMed.

Die folgenden ERACoSysMed-Partnerorganisationen haben ihre Teilnahme an der zweiten Bekanntmachung erklärt:

  • das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Deutschland,
  • der Fonds für wissenschaftliche Forschung (FNRS), Belgien,
  • der Fonds für wissenschaftliche Forschung – Flandern (FWO), Belgien,
  • die Nationale Forschungsagentur (ANR), Frankreich,
  • das Chief Scientist Office des Gesundheitsministeriums (CSO-MOH), Israel,
  • das Ministerium für Gesundheit (MOH), Italien,
  • der Nationale Forschungsfonds (FNR), Luxemburg,
  • die Niederländische Organisation für Gesundheitsforschung und -entwicklung (ZonMw), Niederlande,
  • der Norwegische Forschungsrat (RCN), Norwegen,
  • der Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF), Österreich,
  • die Slowakische Akademie der Wissenschaften (SAS), Slowakei,
  • das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Sport (MIZS), Slowenien,
  • das Gesundheitsinstitut Carlos III (ISCIII), Spanien.

Die Erwartungen an eine qualitativ erstklassige Patientenversorgung innerhalb Europas sind hoch. Die Auswirkungen steigender staatlicher Gesundheitsausgaben und die EU-weite Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung erfordern einen effizienten und kostenwirksamen Ansatz, um die Nachhaltigkeit gegenwärtiger Gesundheitssysteme sicherzustellen. Diesen Herausforderungen muss mit intelligenten Konzepten begegnet werden, um bei staatlichen und privaten Sozial-, Gesundheits- und Wirtschaftssystemen neue Lösungsansätze zu erzielen.

In den nächsten Jahrzehnten ist aufgrund der rasanten Entwicklungen in den verschiedensten Medizindisziplinen mit enormen Fortschritten im Bereich der Medizin zu rechnen. Diese Fortschritte werden das Verständnis von Gesundheit und Krankheit beim Menschen vertiefen und damit zu einer besseren Versorgung, d. h. einer effizienteren und effektiveren Prävention, Prognose und Behandlung, beitragen, und somit die zukünftige medizinische Praxis revolutionieren. Hierbei spielt die Systemmedizin eine Schlüsselrolle.

In dieser Förderrichtlinie wird die Systemmedizin nach der EU-Koordinierungsmaßnahme CASyM wie folgt definiert: „Systemmedizin ist die Umsetzung von systembiologischen Ansätzen in medizinischen Konzepten, Forschung und Praxis. Sie basiert auf iterativen und reziproken Zyklen zwischen klinischen Untersuchungen und computergestützten statistischen und mathematischen Multiskalenanalysen und -modellierungen von Krankheitsmechanismen, Krankheitsprogression und -remission, Krankheitsausbreitung und -behandlung, Behandlungsreaktionen und unerwünschten Nebenwirkungen sowie Krankheitsprävention auf epidemiologischer als auch individueller Ebene. Als Resultat soll durch die Systemmedizin eine messbare Verbesserung der Patientenversorgung mittels systembasierter Ansätze und Anwendungen erzielt werden.“

Nach dieser Definition versteht die Systemmedizin Gesundheit und Krankheit beim Menschen als ein komplexes Wechselspiel von verschiedenen biologischen Netzwerken auf mehreren räumlichen und zeitlichen Ebenen. Computergestützte Modelle werden durch iterative Zyklen von Experimenten, Datenevaluierung und Simulationen entwickelt und dazu benutzt, die grundlegenden biologischen Mechanismen bei Gesundheit und im Krankheitsfall bzw. unter Krankheitsbedingungen quantitativ zu beschreiben und zu definieren.

Die Systemmedizin liefert somit nicht nur Einblicke in fundamentale biologische Mechanismen, sondern bietet ebenfalls medizinischen Forschern und Klinikern neue nachhaltige Wege für klinische Entscheidungsprozesse, mit denen Patienten im klinischen Alltag schneller und effektiver diagnostiziert und therapiert werden können. Daher kann ein systemmedizinischer Ansatz zu frühzeitigem Eingreifen führen und folglich zur Prävention und Minderung eines Krankheitsverlaufs beitragen sowie eine strategische und sinnvolle Nutzung vorhandener Ressourcen ermöglichen. Die Komplexität moderner „-omics“-Technologie-Datensätze in Verbindung mit der Fülle klinischer und bildgebender Informationen sowie Daten zu Ernährung und Umweltbelastung erfordert eine Integration dieser verschiedenen Datensätze in der klinischen Forschung und medizinischen Praxis.

Der Fokus der vorliegenden Bekanntmachung ist auf medizinische Bereiche ausgerichtet, in denen ein Systemansatz notwendig ist, um klinische Fragen zu bearbeiten, klinische Probleme zu lösen und die personalisierte Medizin Wirklichkeit werden zu lassen. 

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Quelle: Bekanntmachung des BMBF vom 19. Dezember 2016/ BAnz vom 03. Februar 2017