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Herz ergänzt Lunge: Fraunhofer ITEM startet mit neuen Forschungsthemen ins fünfte Jahrzehnt

13.07.2021
Das Fraunhofer ITEM startet mit einem neuen großen Forschungsfeld in das fünfte Jahrzehnt seines Bestehens – der kardiovaskulären Forschung und der Entwicklung von RNA-basierten Diagnostika und Therapieansätzen.

Welches Potenzial die Verknüpfung der beiden Forschungszweige Atemwegs- und kardiovaskuläre Forschung hat, was das für die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen als Wissenschaftsstandort bedeutet und wie Menschen von der Forschung profitieren werden, war Gegenstand des Podiumsgesprächs am 13. Juli 2021 im Fraunhofer ITEM in Hannover.

Das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM startet mit einem neuen großen Forschungsfeld in das fünfte Jahrzehnt seines Bestehens – der kardiovaskulären Forschung und der Entwicklung von RNA-basierten Diagnostika und Therapieansätzen. Die Verknüpfung mit der Lungen- und Atemwegsforschung, dem Bereich, auf den sich das Fraunhofer ITEM in Hannover bereits seit 40 Jahren spezialisiert hat, hat großes Potenzial.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums haben die beiden Institutsleiter des Fraunhofer ITEM, Prof. Norbert Krug und Prof. Thomas Thum, am 13. Juli zu einem Podiumsgespräch eingeladen. Gemeinsam mit Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler, Prof. Michael Manns, Präsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), und Prof. Ulrike Köhl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig, diskutierten sie, wie die bisherige Ausrichtung des Instituts auf die Atemwegsforschung und das zukünftige Forschungsfeld kardiovaskuläre Forschung zusammenfinden, was das für die Stadt Hannover und das Land Niedersachsen als Wissenschaftsstandort bedeutet und wie Menschen von der Forschung profitieren werden.

Fraunhofer vs. Corona
Die Aerosolforschung, die Toxikologie und die translationale Medizin mit dem Zielorgan Lunge standen in den vergangenen 40 Jahren im Zentrum der Fraunhofer-Forschung in Hannover. „Unsere Forschung könnte kaum relevanter sein als in der aktuellen Zeit. Das Fraunhofer ITEM leistet einen wichtigen Beitrag in der Pandemiebekämpfung: von der Charakterisierung luftgetragener Aerosole, der Entwicklung von Luftreinigungstechnologien, intelligenten Virenfiltern oder nichtinvasiven Beatmungsgeräten über Drug-Repurposing, also Innovationen auf der Basis bewährter Wirkstoffe, bis hin zur beschleunigten Herstellung von Medikamenten gegen COVID-19“, sagt Prof. Krug, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer ITEM.

Herz ergänzt Lunge
Seit Anfang 2021 ist mit Eintritt des Kardiologen und Biowissenschaftlers Prof. Thomas Thum die kardiovaskuläre Forschung hinzugekommen. Die enge Verbindung der beiden Forschungsgebiete zeigte sich bereits bei der Coronavirus-Forschung. Infektionen mit SARS-CoV-2 bedeuten nicht nur eine Belastung für die Lunge – das Virus befällt auch massiv das Herz-Kreislauf-System. Einen möglichen Ansatzpunkt für eine COVID-19-Therapie basierend auf der RNA-Technologie hat Prof. Thum, Institutsleiter des Fraunhofer ITEM und Direktor des MHH-Instituts für Molekulare und Translationale Therapiestrategien, mit seinem Team gefunden. „Die neue Verknüpfung von kardiovaskulärer Forschung und dem bisherigen Schwerpunkt Lunge und Atemwege am Fraunhofer ITEM bietet nicht nur für die Pandemiebekämpfung, sondern insgesamt enormes Potenzial für die Translationsforschung made in Niedersachsen“, erklärt Prof. Thum.

Transfer und Translation in Niedersachsen
Die Transferkompetenz ist wesentlicher Bestandteil der anwendungsorientierten Forschung von Fraunhofer. So ist das Fraunhofer ITEM als Partner eng eingebunden in die biomedizinische Translationsallianz in Niedersachsen TRAIN. »Der Transfer von Gesundheitsforschung in die Wirtschaft sowie die Translation in die Anwendung für den Menschen manifestieren sich in Niedersachsen auf einzigartige Art und Weise in der Forschungsarbeit des Fraunhofer ITEM und seiner Partner«, sagt Wissenschaftsminister Thümler. Niedersachsen stehe für innovative und international führende Forschung in den Lebenswissenschaften.

Kooperationen in Hannover weiter stärken
Die Allianz außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und einer Hochschulklinik, die auch durch Brückenprofessuren zwischen MHH und Fraunhofer gestärkt wird, ermöglicht eine maximal enge Verzahnung von Forschung und Klinik – was letztlich dem Patienten zugutekommt. Beispiel dafür ist das klinische Forschungszentrum CRC Hannover, in dem das Fraunhofer ITEM mit frühen klinischen Studien, die MHH ebenfalls mit Studien und der Hannover Unified Biobank sowie das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung mit dem Studienzentrum der NAKO Gesundheitsstudie vertreten sind. Die bereits bestehenden Kooperationen sollen weiter ausgebaut werden. MHH-Präsident Prof. Manns sagt dazu: „Die geografische Nähe und enge Verzahnung universitärer und außeruniversitärer Forschung in direkter Nachbarschaft zu einer der größten Universitätskliniken, wie wir sie in Hannover auf unserem biomedizinischen Wissenschaftscampus haben, birgt enorme Vorteile für die medizinische Grundlagenforschung und deren Anwendung am Patienten, die sogenannte Translation. Somit kommen wir meiner Vision eines Hannover Health Science Campus einen wesentlichen Schritt näher. Umso mehr freut es mich, dass wir durch den Eintritt des MHH-Professors Thomas Thum in die Institutsleitung des Fraunhofer ITEM unsere Zusammenarbeit weiter stärken.“

Gesundheitsforschung bei Fraunhofer
Die Gesundheitsforschung bei Fraunhofer hat ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal: die direkte Nähe zu komplementären FuE-Kompetenzen aus beispielsweise der Ingenieurs- und Materialwissenschaft, Automatisierung, künstlichen Intelligenz, Informatik oder Robotik. „Die Kombination dieser Forschungskompetenzen mit der medizinischen Forschung hat großes Potenzial und wird schon heute intensiv in großen Kooperationsprojekten, auch mit weiteren universitären oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen sowie Partnern aus der Industrie, genutzt und vorangetrieben“, sagt Prof. Köhl, Institutsleiterin des Fraunhofer IZI. Abschließend betont Prof. Krug: „Nicht nur der wissenschaftliche Erfolg, auch die Transferkompetenz ist ein zentrales Erfolgskriterium für ein Fraunhofer-Institut. Die Weiterentwicklung des Instituts ist ein wichtiger Schritt, um unsere Vision – Wegbereiter für nachhaltige Gesundheit zu sein – zu verwirklichen.“

Über das Fraunhofer ITEM
Das Fraunhofer ITEM ist eines von 75 Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft, der größten Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa. Ziele der Auftragsforschung am Fraunhofer ITEM sind es, den Menschen in unserer industrialisierten Welt vor gesundheitlicher Gefährdung zu schützen und an der Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze mitzuwirken. Mit Schwerpunkt auf der Atemwegsforschung – und seit 2021 auch auf der kardiovaskulären Forschung – umfasst das FuE-Portfolio drei Geschäftsbereiche: Arzneimittelentwicklung, Chemikaliensicherheit und translationale Medizintechnik. Mit rund 400 Mitarbeitenden in Hannover, Braunschweig und Regensburg kooperiert das Institut in Projekten mit der Industrie, Dienstleistern und Universitäten zum Nutzen der Wirtschaft und zum Vorteil der Gesellschaft. Seit 40 Jahren verfolgen wir am Gründungsstandort Hannover unsere Vision „Pioneers for sustainable health“.

Quelle: Pressemitteilung Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin vom 13.07.2021