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Ein Bauch voller Gesundheitshelfer

11.09.2014
Ein Team unter der Beteiligung von Dr. Markus Kleinewietfeld, Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU-Dresden, konnte zeigen, dass die Gabe von Probiotischen Bakterien das Gleichgewicht von Immunzellen über Wechselwirkungen mit der Darmflora positiv beeinflussen kann.
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So einzigartig wie der Fingerabdruck - so individuell ist die Darm-WG

Probiotika könnten nicht nur auf dem Weg zur Wunschfigur hilfreich sein, möglicherweise sind sie bald auch ein moderner Therapiebaustein, wenn es darum geht, Autoimmunerkrankungen zu behandeln. Ein Team unter der Beteiligung von Dr. Markus Kleinewietfeld, Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU-Dresden, konnte kürzlich zeigen, dass die Gabe von Probiotischen Bakterien das Gleichgewicht von Immunzellen über Wechselwirkungen mit der Darmflora positiv beeinflussen kann. Es wird vermutet, dass eine Störung dieses Gleichgewichts an der Entstehung von Adipositas oder Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose maßgeblich beteiligt sein könnte.

Probiotika im Salatdressing - und die Gewichtsprobleme könnten der Vergangenheit angehören. Derzeit werden Probiotische Bakterien häufig in Onlineapotheken und in speziellen Joghurtprodukten angeboten. Ihre Wirkung ist sicherlich nicht ganz unumstritten, aber viele Wissenschaftler gehen dem Phänomen der Interaktion von Darmflora und Immunsystem derzeit auf den Grund. Die Idee, die sie dabei verfolgen, verspricht potentiell neue Ansätze im Kampf gegen die Zivilisationsadipositas, vielleicht eine der größten Herausforderungen, vor der Mediziner des 21. Jahrhunderts stehen. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa jedes siebte Kind zum Übergewicht neigt und gegen die Burger-Kultur kein Argument zählt. Jetzt also ein neuer Plan: man versucht, den Darmbakterien unter die Arme zu greifen und hofft, dass viele Millionen Zellen mit der verführerischen Völlerei fertig werden.

Zumindest im Modellsystem hat das jetzt funktioniert. Das ist das Ergebnis einer Studie, an der der Dresdner Immunologe Dr. Markus Kleinewietfeld mitgewirkt hat und für die er nun mit dem Nachwuchsforscherpreis „science for health“ ausgezeichnet wurde. „Das Überraschende war, dass eine Kombination von probiotischem Joghurt und Fastfood die normale, durch Fastfood induzierte Adipositas, stark vermindert hat und dass dieser Prozess vom Immunsystem und Darmflora abhängig war“, sagt der Dresdener Forscher. In den letzten Jahren ist es für Wissenschaftler immer interessanter geworden, die Mikroorganismen im menschlichen Darm zu untersuchen. Deren Potenzial wurde viele Jahre unterschätzt. Heute kann davon ausgegangen werden, dass dieses komplexe System der Darmflora vergleichbar ist mit einem persönlichen Fingerabdruck und ungemein sensibel. Die Darmflora kommt schnell aus dem Gleichgewicht, beispielsweise durch Änderungen in der Ernährung, wenn man sich zum Beispiel häufig von Fast Food ernährt. Mehr noch, es wird vermutet, dass Veränderungen in der Darmflora zu einer Umstrukturierung des Immunsystems führen können. In verschieden Modellsystemen konnten insbesondere Einflüsse auf T-Helferzellen nachgewiesen werden. Auch wenn deren Funktion im Organismus noch nicht abschließend geklärt ist, so kann doch davon ausgegangen werden, dass T-Helferzellen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Autoimmunkrankheiten wie z.B. der Multiplen Sklerose spielen. Hier regulierend einzugreifen, über die Modulation von Darmflora und Immunsystem durch z.B. spezielle Probiotika, könnte ein moderner Therapieansatz sein.

Für seine Erkenntnisse erhielt Dr. Markus Kleinewietfeld den von Yakult gestifteten Nachwuchsforscherpreis „science for health“. Damit prämiert die Wissenschaftsabteilung von Yakult Deutschland jedes Jahr Arbeiten auf dem Gebiet der Mikrobiotika- und Probiotikaforschung. Jurymitglied Prof. Dr. Stefan Bischoff, Universität Hohenheim, überreichte den Preis anlässlich des Yakult-Kolloquiums und unterstrich die Bedeutung der ausgewählten Studie: „Sie belegt das Potenzial von Probiotika über die Prävention hinaus und beschreibt nicht nur ein Phänomen, sondern auch den Mechanismus. Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler den relevanten probiotischen Keim identifizieren, der für die Wirkung verantwortlich ist.“

Quelle: Pressemitteilung der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden vom 11.9.14