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Knochenersatz mit resorbierbarem Implantat

17.08.2020
Als Alternative zu Metallimplantaten arbeitet Delbramed an einem resorbierbarem Implantat auf Calcium-Basis. Der maßgeschneiderte Knochenersatz soll in einem halben Jahr marktreif sein.

Das Knochenwachstum eines Kindes unterscheidet sich gravierend von dem eines Senioren und so auch die Ansprüche an ein Implantat. Für Mediziner stellt dies eine Herausforderung dar. Mitunter gibt es zudem Situationen, in denen bei Trauma-Verletzungen die Implantate nur als Platzhalter für den nachwachsenden Knochen dienen. Dann wäre dieses Implantat nach einiger Zeit überflüssig. Für all diese Fälle gibt es bislang noch keine adäquate Lösung, da in der Regel dauerhafte Materialien wie Titan oder Metalle zum Einsatz kommen. Doch Andreas Lange, Chef der Medizintechnik-Firma Delbramed in Spaichingen/Frittlingen, hat demnächst eine Lösung parat.

Sein Unternehmen hat eine große Kompetenz mit medizinischen Implantaten und arbeitet ständig an neuen Materialien, auch im Kontext der additiven Fertigung. Darauf aufbauend hat Lange in den letzten Jahren  ein im Körper steuerbares, auflösbares Implantat entwickelt. Die Idee: Ein homöopathischer Stoff aktiviert die Resorption des Implantats. Wird jedoch die Zufuhr des Aktivators gestoppt, welcher aus Kamillenextrakt und Magnesium besteht, wird auch die Auflösung verhindert.

Delbramed wurde 2013 gegründet und beschäftigt derzeit 11 feste Mitarbeiter und rund 160 Honorar-Mitarbeiter. Über drei Jahre Entwicklungszeit ist in das neue Implantat-Projekt geflossen, 300 Ordner füllt die Dokumentation. Patentrechtlich hat man sich zudem weltweit abgesichert und auch nicht vor einer Drei-Millionen Euro teuren Investition in Patentrechte der hauseigenen Technologie im asiatischen Markt gescheut. Das Implantat soll zwischen 8.000 und 10.000 Euro kosten und könnte nach Firmenangaben künftig Milliarden einsparen. Der Vorteil: ein solches Implantat würde für Menschen mit Metallallergien besser verträglich sein und damit auch Reoperationen vermeiden helfen.

Um das Vorhaben bis zur Marktreife zu bringen, hat das Unternehmen einen nicht näher genannten Investor überzeugen können, die über 60 Mio. Euro Entwicklungskosten zu tragen. Darüber hinaus gibt es die Ankündigigung, dass ein großer Medtech-Konzern das Delbramed-Implantat in sein Portfolio aufnehmen will. Die Kostenerstattung durch die Krankenkassen ist ebenfalls im Gespräch. „Rund 400 Probanden haben seine gesteuerten resorbierbaren Implantate bereits im Körper“, erklärt Lange, „ich schätze, in einem halben Jahr sind die Implantate zugelassen.“

Für das Unternehmen ist das ein großer Erfolg, ebenso für den Standort Tuttlingen, dem man treu bleiben will. „Wir müssen vernetzt denken“, sagt Lange, „wir müssen den Landkreis wieder nach vorn bringen.“ Er will mithelfen, dass der Landkreis Tuttlingen seinen Führungsrolle in der Medizintechnik behält und auch im globalen Wettbewerb mitziehen kann.

Quelle: Pressemitteilung medtech-zwo vom 17.08.2020