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Biotech-Branchentreff in Leipzig: "Glas drei viertel voll"

29.04.2016
Ob Antibiotika, Krebstherapien oder neue Diagnostika - auf den Deutschen Biotechnologietagen diskutiert die Branche traditionell ein breites Spektrum an Themen. Gastgeber Leipzig lockte ebenso viele Besucher an wie Köln im Vorjahr.

29.04.2016 - Die 7. Deutschen Biotechnologietage haben auch in diesem Jahr mehr als 800 Besucher angelockt. Die Veranstalter um BIO Deutschland, den Arbeitskreis der BioRegionen und Gastgeber biosaxony zeigten sich rundum zufrieden mit dem zweitägigen Branchentreff, der vom 26. bis 27. April in der Kongresshalle am Zoo in Leipzig stattfand. In zahlreichen parallelen Sessions wurde vor allem über medizinische Aspekte der Biotechnologie diskutiert, angefangen bei seltenen Krankheiten über Impfstoffe bis hin zu Antibiotika, Immuntherapien oder Diagnostika. Aber auch die Pflanzen- und industrielle Biotechnologie hatten ihren Platz.

„Werd ich zum Augenblicke sagen: // Verweile doch! Du bist so schön! // Dann magst du mich in Fesseln schlagen, // dann will ich gern zugrunde gehn!“

Mit diesem Zitat aus Goethes Faust kommentierte André Hofmann, Geschäftsführer beim gastgebenden Biotech-Netzwerk biosaxony, den Verlauf der zweitägigen Konferenz. In diesem Jahr fand das Familientreffen vom 26. bis 27. April in der Kongresshalle am Zoo in Leipzig statt. Zufrieden zeigte sich auch das Team von BIO Deutschland ob der erneut hohen Besucherzahl von über 800 Gästen. Man habe nun offenbar auch ohne deutliche BMBF-Unterstützung eine attraktive Veranstaltung organisiert, hieß es dort. Inhaltliche Schwerpunkte des Branchentreffs, bei dem traditionsgemäß viele verschiedene Sessions parallel liefen, lagen vor allem im medizinischen Bereich.

Diagnostik-Entwickler im Aufwind
So belegten viele Diskussionen, dass es vor allem vielen deutschen Diagnostik-Unternehmen augenblicklich sehr gut geht. Ein Beispiel ist die alere Technologies in Jena, die einst aus der 1998 gegründeten Clondiag hervorgegangen ist und 2006 vom US-Konzern Alere übernommen wurde. Inzwischen vermarktet und produziert die alere Technologies in Jena ein Portfolio an schnellen, batteriebetriebenen Diagnostik-Kits, um etwa HIV vor Ort schnellstmöglich, aber auch einfach, festzustellen. Die Darmstädter R-Biopharm wiederum konnte gerade erst in diesem Frühjahr eine strategische Vereinbarung mit der ebenfalls in Darmstadt ansässigen Pharmafirma Merck im Bereich Companion Diagnostics abschließen. Aber auch schon zuvor ging es am Standort in den letzten Jahren stetig aufwärts. „Derzeit arbeiten wir an einem Test, um mit einem Nasenabstrich schon in der Arztpraxis zu erkennen, ob man an einem bakteriellen oder virologischen Infekt leidet“, berichtete Frank Apostel von R-Biopharm auf den Biotechnologietagen.

Oncgnostics: Start-up mit Fokus Krebsfrüherkennung

Die erst im Jahr 2012 gegründete oncgnostics wiederum ist gerade erst dabei, ihren ersten Test Gyntec in den Markt einzuführen. Hierbei handelt es sich um einen molekularbiologischen Test, mit dem frühzeitig geklärt werden kann, ob bei einer Patientin mit auffälligem Pap-Befund bzw. einer humanen Papillomvirus-Infektion (HPV) ein zu behandelnder Gebärmutterhalskrebs entsteht oder vorliegt. „Der Test liefert den betroffenen Frauen schnell Gewissheit“, so Martina Schmitz in der Start-up-Session der Biotechnologietage. Die Risikoeinschätzung bei der Früherkennung des Krebses werde stark erleichtert und unnötige, vorschnelle Operationen könnten vermieden werden, erläuterte die Unternehmerin. Derzeit ist eine Finanzierung über 5 Mio. Euro im Gange, um alle Vorkehrungen für eine Erstattung des CE-zertifzierten Tests zu treffen.

Multiresistente, gram-negative Keime als Gefahr

Heftig diskutiert wurde unterdessen die Frage der multiresistenten Krankenhauskeime. „Die Gefahr sind nicht die MRSA-Stämme, die haben wir im Griff“, betonte Matthias Pletz, Intensivmediziner am Universitätsklinikum Jena.  Hier habe man genügend neue Antibiotika zur Auswahl und über Hygienemaßnahmen konnte die Zahl der MRSA-Fälle deutlich reduziert werden. Problematisch sei jedoch die Zunahme an gram-negativen, multiresistenten Pathogenen, die sich  traditionell im Darm, nicht wie MRSA auf der Haut aufhalten. „Zur Behandlung dieser MRGN-Stämme haben wir nur noch ein einziges Präparat zur Verfügung. Es ist bereits fünf nach zwölf“, mahnte Pletz.

Eine positive Nachricht gab es dennoch: Jens Hellwage vom Forschungscampus infectognostics berichtete von der brandneuen Markteinführung des Tests CarbDetect, der gemeinsam mit den Forschern am Universitätsklinikum Jena und der Firma alere Technologies entwickelt wurde, um eben jene gefährlichen gram-negativen Stämme aufzuspüren. 

Mythen über Orphan Drugs aufgeklärt

Auch das Thema Orphan Drugs, also Arzneimittel für seltene Erkrankungen, stand bei den Biotechnologietagen auf dem Programm: Erstmals war dazu auch eine Patientenvertreterin vom Netzwerk ACHSE in Leipzig vor Ort. In der Session wurde zudem mit dem Mythos aufgeräumt, dass Firmen vor allem „Orphans“ entwickeln, weil es schnell, einfach und günstig sei. „Vor allem die Rekrutierung einer ausreichend großen Patientenzahl im Rahmen von klinischen Studien ist eine große Herausforderung“, erläuterte Sabine Sydow vom vfa bio.

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Quelle: Presseinformation von biotechnologie.de vom 29. April 2016