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3D-Druck-Start-up Hyperganic erhält 6,4 Millionen Euro

25.02.2021
Mit einer Finanzspritze von 6,4 Mio. Euro will das 3D-Druck-Start-up Hyperganic weiter wachsen. Auch Anwendungen in der Medizintechnik stehen auf der Agenda.

Im Februar hat das Münchner 3D-Druck-Start-up Hyperganic eine Finanzierungsrunde mit 6,4 Millionen Euro (7,8 Millionen Dollar) abgeschlossen. HV Capital und Vsquared haben die Runde angeführt. Neben den Lead-Investoren beteiligten sich auch der Tiroler Glaskristall-Konzern Swarovski und der Fonds des österreichischen Investors Hermann Hauser an Hyperganic.

Für die Münchner ist es das erste Venture-Capital-Investment. Zuvor finanzierte sich das Unternehmen durch seine Gründer, frühe Mitarbeiter sowie eine kleine Gruppe von Business Angels – darunter die ehemaligen Microsoft-Manager Hank Virgil and Marc Jalabert.

KI-Software-Plattform steuert 3D-Druck

Hyperganic will mittels seiner KI-Software-Plattform den Entwurf, die Entwicklung und die Produktion von 3D-gedruckten Produkten radikal beschleunigen. Lin Kayser, Co-Founder und CEO von Hyperganic, sagt: „Die größten Herausforderungen der Menschheit können nur durch einen riesigen technologischen Sprung gemeistert werden. Wir haben Hyperganic geschaffen, um die Art, wie wir Dinge um uns herum entwerfen und bauen, grundsätzlich zu verändern. Nun sind wir bereit, einen Gang hochzuschalten. Wir sind glücklich über die Unterstützung eines so diversen Teams von Investoren auf unserer spannenden Reise.“

Der Ansatz soll den bisherigen Produktionsprozess abschaffen. Während viele andere 3D-Druckfirmen lediglich bessere Hilfsmittel entwickelten, um den bisherigen Fertigungsprozess zu unterstützen, will Kayser komplett anders denken und nicht nach Vorlage produzieren. Ingenieure sollen demnach nur noch die Funktion der Gegenstände definieren, die Formgestaltung übernehmen die Algorithmen der Design-Software.

Mit VC-Kapital Unternehmen skalieren

Für Lin Kayser ist Hygergenic zudem nicht seine erste Firma. 2000 gründete er das Unternehmen Iridas, mit dem er ein Programm entwickelt hatte, das Special-Effects in Hollywoodfilmen ermöglichte. Damit war Iridas unter anderem an der Produktion der Matrix-Filme beteiligt. Im Jahr 2011 verkaufte Kayser die Firma an Adobe. Mit den Erlösen konnte er den Aufbau von Hyperganic bis dato größtenteils selbst finanzieren. Mit nun eingeworbenen VC-Kapital soll die Plattform skaliert und ausgebaut werden. Auch der Mitarbeiterstamm soll auf bis zu 60 Beschäftigte wachsen.

Fabian Gruner von HV Capital fügt hinzu: „Hyperganic läutet einen tiefgreifenderen Paradigmenwechsel auf dem Gebiet des Produktdesigns und der Produktion ein, als wir uns heute vorstellen können. Als VCs suchen wir ständig nach Gründern und Unternehmen, die wirklich ‚die Welt verändern‘ können – und Lin und sein Team werden genau das machen.“ Das Unternehmen verfügt bereits über Kunden in Europa, den USA, China und Südostasien. Zu den bestehenden Anwendungsfeldern gehören neben Raumfahrt- und Konsumproukte auch die Medizintechnik.

Use Case in der Medizintechnik: Kooperation mit Kumovis

So kooperiert Hyperganic mit dem Münchner Unternehmen Kumovis und liefert hier die Software-basierte Drucksteuerung für den 3D-Drucker Kumovis R1. Das Gerät ermöglicht Medizintechnikern, Implantate und andere Produkte branchengerecht und effizient additiv zu fertigen. Mit dem integrierten Temperierungs- und Filtersystem können Nutzer den Bauraum zum Reinraum machen und die strengen Kriterien für die Zulassung patientenangepasster Medizinprodukte erfüllen.

Das patentierte Temperaturmanagement-System in dem 3D-Drucker ermöglicht, den Bauraum homogen auf bis zu 250 Grad Celsius zu heizen. Das verbessert unter anderem den Schichtzusammenhalt des jeweiligen Medizinprodukts. Kumovis bietet den Kunden zudem die Möglichkeit, mithilfe eines optionalen Filters den Bauraum zum Reinraum zu machen. So lassen sich Fehlstellen durch Fremdkörper im Bauteil vermeiden. Alle Systeme für ein umfassendes Monitoring sind integriert, Dokumentation und Sicherheit sind damit während des gesamten Druckprozesses gewährleistet. „Wir freuen uns, mit dem Kumovis R1 der Medizintechnik ein ressourcenschonendes Fertigungssystem zu geben, das einerseits ihre hohen Anforderungen erfüllt und andererseits die Verarbeitung von Hochleistungskunststoffen im FLM-Verfahren zur Industriereife führt“, sagt Co-Gründer Stefan Leonhardt. Seit 2017 leitet er zusammen mit Miriam Haerst die Kumovis GmbH. „Zudem ermöglichen wir mit Partnern wie den Software-Experten von Hyperganic künftig den schnellen Zugang zu individuellen Implantaten und Geräten, mit deren Hilfe ein Mehrwert für Patienten und Ärzte geschaffen wird“, fügte er hinzu.

Quelle: Pressemitteilung medtech-zwo vom 25.02.2021