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Wissenschaftsrat nimmt Stellung zur Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Sachsen

23.10.2017

Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange: „Universitätsmedizin in Leipzig und Dresden ist leistungs- und konkurrenzfähig“

Im Sommer vergangenen Jahres hat das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst den Wissenschaftsrat mit der umfassenden Evaluierung der Universitätsmedizin in den beiden Standorten Dresden und Leipzig beauftragt. Untersucht wurden die Bereiche Forschung und Lehre sowie die Krankenversorgung einschließlich der Internationalisierung, der Nachwuchsförderung und der Finanzierung. Jetzt liegen die Ergebnisse der Evaluierung vor.

Danach sieht der Wissenschaftsrat die Universitätsmedizin in Dresden und Leipzig in der Forschung und Krankenversorgung derzeit sehr gut aufgestellt. Der Wissenschaftsrat würdigt die beachtlichen Beiträge des Freistaats Sachsen zur Entwicklung von zwei konkurrenz- und leistungsfähigen universitätsmedizinischen Standorten. Diese hätten trotz zunächst herausfordernder Rahmenbedingungen national und international sichtbare Profile ausgebildet. Daraus ergeben sich Chancen für wirtschaftliche Innovationen. Für die Zukunft wird zum Erhalt und zur Weiterentwicklung des hohen Leistungspotentials eine verbesserte Finanzierung in konsumtiver und investiver Hinsicht empfohlen.

Wissenschaftsministerin Dr. Eva-Maria Stange: „Ich freue mich über diese sehr positive Bewertung der beiden universitätsmedizinischen Standorte in Dresden und Leipzig, die aufgrund der bekannten hohen und anspruchs-vollen Prüfungsstandards des Wissenschaftsrates hoch einzuschätzen ist. Für die herausragende Arbeit der Wissenschaftler, Mitarbeiter und Vorstände an beiden Standorten, die an dieser außerordentlichen Entwicklung der Universitätsmedizin mitgewirkt haben, bedanke ich mich herzlich. Die Stellungnahme des Wissenschaftsrates ist ein sehr gutes Zeugnis der erfolgreichen Arbeit, die es gilt, mit Unterstützung des Landes fortzusetzen. Wir wer-den den Bericht in der Landesregierung und gemeinsam mit der Universitätsmedizin auswerten, um für die kommenden Jahre die bestmöglichen Voraussetzungen für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung zu schaffen. Damit soll dem sächsischen Koalitionsvertrag entsprochen werden, in dem sich die beiden Regierungsparteien CDU und SPD dazu bekannt haben, die universitätsmedizinischen Standorte in Dresden und Leipzig konkurrenz- und leistungsfähig zu erhalten.“

Beiden Standorten wird vom Wissenschaftsrat eine funktionsfähig und erfolgreich ausgestaltete Zusammenarbeit zwischen Medizinischer Fakultät und Universitätsklinikum bescheinigt. Es sei zudem gelungen, exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu gewinnen.
Der Wissenschaftsrat spricht sich zudem dafür aus, die vertraglich vereinbarten Kooperationen zwischen Dresden und Leipzig vor allem im Bereich der Forschung, aber auch im technischen und administrativen Bereich um-zusetzen bzw. zu vertiefen und zu erweitern, etwa bei metabolischen sowie neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen sowie im IT-Bereich.

Bezüglich der Krankenversorgung würdigt er sowohl für Dresden als auch für Leipzig die gelungene Verknüpfung von wissenschaftlichen und klinischen Schwerpunkten. Beim wissenschaftlichen Nachwuchs hält der Wissenschaftsrat an beiden Standorten den Anteil an Promotionen in strukturierten Programmen noch für ausbaufähig. Im Bereich der Lehre sieht der Wissenschaftsrat auf den jeweiligen Standort bezogen weiteren Verbesserungsbedarf. Die Einrichtung des Medizindidaktischen Zentrums in Leipzig etwa betrachtet der Wissenschaftsrat als positive Entwicklung für die weitere qualitative Verbesserung der Lehrleistung, die noch mehr durch An-reize und Förderprogramme unterstützt werden sollte.
Speziell auf Dresden bezogen hebt der Wissenschaftsrat das prägnante und erfolgreiche wissenschaftliche Profil der Universitätsmedizin hervor, mit ihren drei national und international sichtbaren Forschungsschwerpunkten „Onkologische Erkrankungen“, „Metabolische Erkrankungen“, und „Neuro-logische und psychiatrische Erkrankungen“.

Professor Heinz Reichmann, Dekan der Medizinischen Fakultät der TU Dresden: „Dass der Wissenschaftsrat die erfolgreiche Profilierung der Forschung an der Dresdner Hochschulmedizin herausstreicht, ist für uns ein wichtiges Signal, diese Schwerpunkte weiter auszubauen. Nur so ist es möglich, hier tätige Top-Wissenschaftler zu halten und weitere zu gewinnen. Damit unsere Forschungen auch künftig international hohe Anerkennung erfahren können, bedarf es jedoch einer entsprechenden Finanzausstattung.“ Ergänzend äußert sich Professor Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus: „Spitzenforschung und Spitzenmedizin sind in Dresden eine äußerst erfolgreiche Symbiose eingegangen. Die von Unvoreingenommenheit geprägte interdisziplinäre Zusammenarbeit der Wissenschaftler und Ärzte sind der Markenkern der Dresdner Hochschulmedizin, um den uns viele Institutionen beneiden. Diese positive internationale Visibilität hat auch der Wissenschaftsrat in seinem Gutachten als eine Besonderheit herausgestellt.“

Für die Universitätsmedizin Leipzig schlägt der Wissenschaftsrat vor, sich auf den Ausbau ihrer Forschungsschwerpunkte „Zivilisationskrankheiten“, „Regenerative Medizin/Klinische Regeneration“ und „Erkrankungen von Gehirn und Seele“ weiter zu konzentrieren. Diese Bereiche verfügten über ein hohes wissenschaftliches Potential. Der Forschungsschwerpunkt „Zivilisationskrankheiten“ etwa gehöre zu den führenden deutschen Zentren für Adipositasforschung.

„Ich freue mich, dass der Wissenschaftsrat mit seiner sehr ernstzunehmenden Begutachtung die Lehre und Forschung an unserer Fakultät ausdrücklich lobt, punktuell auch international konkurrenzfähige, wissenschaftliche Exzellenz attestiert, dabei jedoch eine Unterfinanzierung in allen Bereichen feststellt. Der Wissenschaftsrat würdigt in seinem Bericht, dass es der Uni-versitätsmedizin Leipzig gelungen sei, starke Forschungsprofile auszubilden. Er gibt aber auch wichtige Hinweise für die zukünftige strategische Entwicklung. Wir werden die an uns gestellten Aufgaben sehr ernst nehmen und ich hoffe, dass die Landesregierung mit den an sie gestellten ebenso verfährt“, sagt Prof. Dr. Michael Stumvoll, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. „Wir sind sehr zufrieden mit der positiven Einschätzung unserer Arbeit“ fügt Prof. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, hinzu. Insbesondere die inhaltliche Strategie und die Projekte zur Weiterentwicklung der Medizininformatik und der dafür erforderlichen IT-Systeme wurden besonders hervorgehoben, verbunden mit dem Hinweis, dass diese Initiativen nur durch die Absicherung des Investitionsbedarfs auch langfristig erfolgreich sein können“, so Fleig. „Wir sind sehr optimistisch, dass die Landesregierung uns auf dieser Basis auch weiterhin die notwendige Unterstützung zukommen lassen wird.“

Die Empfehlung des Wissenschaftsrat bezüglich einer verbesserten Finanzierung der Universitätsmedizin soll auch zum Abbau der Investitionsstaus dienen, um die Standorte auch zukünftig konkurrenz- und leistungsfähig zu erhalten. Dabei erkennt der Wissenschaftsrat ausdrücklich an, dass die Bundesländer – so auch Sachsen - bei der Finanzierung der Universitätsmedizin – vor allem durch die anwachsenden Investitionsbedarfe u. a. im IT-Bereich – vor großen Herausforderungen stünden.

Quelle: Medieninformation des Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst vom 20. Oktober 2017