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Universitätsmedizin Leipzig legt Studie zur Arzneimittelsicherheit bei Kindern mit Allergien vor

12.04.2018
Wie kann man die Situation von Kindern mit chronischen Erkrankungen im Alltag verbessern? In einem Projekt der Universitätsmedizin Leipzig, initiiert vom Zentrum für Arzneimittelsicherheit und der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin, lernen Erzieher aus Kindertagesstätten von Ärzten und Apothekern alles Wissenswerte über Allergien und üben das Anwenden und Verabreichen von Medikamenten in Notfallsituationen. Die Studie ist jetzt im renommierten European Journal of Pediatrics erschienen.

Allergien, beispielsweise gegen Lebensmittel, sind eine häufige chronische Erkrankung bei Kindern. Aber was kann der Laie in potentiell lebensbedrohlichen Notfällen tun? Vom Arzt verschriebene Medikamente können Leben retten, doch können Erzieher diese im akuten Notfall auch richtig anwenden? Wissenschaftler der Universitätsmedizin Leipzig entwickelten ein Konzept, mit dem Erzieher ihr theoretisches Wissen rund um Allergien verbessern und das richtige Handeln im Notfall üben können.

"Wir haben ein neues Fortbildungskonzept für Erzieherinnen und Erzieher entwickelt, das sich mit Allergien, daraus resultierenden Notfällen und der Verabreichung von Medikamenten, den sogenannten Autoinjektoren, befasst", erklärt Apothekerin und Diplompharmazeutin Henriette K. Dumeier. Alle Kindertageseinrichtungen in Leipzig waren eingeladen, sich an der Studie zu beteiligen, wobei Erzieher von 39 Einrichtungen an der Schulung teilnahmen. Um den Nutzen des Konzepts nachzuweisen, untersuchten Ärzte und Apotheker gemeinsam Einstellung und Wissen in Bezug auf Allergien und Notfälle anhand eines Fragebogens und schauten sich die praktische Anwendung von Autoinjektoren vor und direkt nach der Fortbildung sowie 4-12 Wochen danach an. Die Wissenschaftler fanden dabei heraus, dass immerhin 81 Prozent von den insgesamt 75 beteiligten Erziehern Kinder mit Allergien betreuen. Zwei Erzieher hatten schon einmal Medikamente aus einem Notfallkit verabreicht.

"Unser Konzept ist erfolgreich: Das Wissen über die Auslöser von Allergien wird signifikant gesteigert", erklärt Professor Dr. Astrid Bertsche, die das Projekt von ärztlicher Seite mit initiiert hat. "Die Erzieher gewinnen das Selbstvertrauen, auch im akuten Notfall, richtig zu helfen und dem Kind die lebensrettende Medizin zu verabreichen. Denn im Notfall zählt jede Minute", so Kinderärztin Bertsche. Die Zahl der fehlerfreien Verabreichungen der Notfallmedikamente wurde durch die Maßnahmen von 3 auf 35 Prozent verbessert. Die Wissenschaftler haben sich das Ziel gesetzt, das Konzept zur richtigen Anwendung von Notfallmedikamenten flächendeckend im Raum Leipzig und auch überregional zu verbreiten. Dafür müssen noch mehr Schulungen in Kindertagesstätten stattfinden, um die Erzieher für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Kinderärzten und Apothekern, die auch bereits bei Epilepsiepatienten sehr erfolgreich war, soll jetzt in Folgeprojekten bei Kindern mit anderen Erkrankungen wie Asthma und Diabetes fortgeführt werden. Neben Patienten, Eltern, Ärzten, Pflegekräften, Lehrern und Erziehern sollen nun auch weitere Berufsgruppen wie beispielsweise Physio- und Ergotherapeuten involviert werden. Das Projekt reiht sich ein in zahlreiche weitere Initiativen zur Arzneimittelsicherheit unter der Leitung von Professor Dr. Thilo Bertsche, Forschungsdirektor am Zentrum für Arzneimittelsicherheit, und Professor Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Leipzig.

Originaltitel im European Journal of Pediatrics: Knowledge of allergies and performance in epinephrine auto-injector use: a controlled intervention in preschool teachers

Quelle: Pressemitteiling der Universität Leipzig vom 12. April 2018