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Universitätskilinikum Dresden: Interdisziplinäres Ärzteteam reimplantierte Unfallopfer körpereigene Inselzellen

25.02.2013
Bundesweit einmaliges Know-how bewahrt Lagerarbeiter vor schweren Folgen des Verlusts der Bauchspeicheldrüse

Bundesweit einmaliges Know-how bewahrt Lagerarbeiter vor schweren Folgen des Verlusts der Bauchspeicheldrüse

Das am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden angesiedelte Zentrum für Inselzell-Transplantation hat das 43-jährige Opfer eines Arbeitsunfalls vor Diabetes bewahrt: In einem nächtlichen Einsatz ist es dem aus Diabetologen und Viszeralchirurgen bestehenden Team in der vergangenen Woche gelungen, insulinproduzierende Inselzellen aus der zerstörten Bauchspeicheldrüse des Patienten zu retten, aufzubereiten und in dessen Leber zu implantieren. Damit hat das interdisziplinäre Ärzteteam das nur am Dresdner Uniklinikum vorhandene Know-how erstmals für eine Eigenspende von Inselzellen bei einer verletzten Bauchspeicheldrüse genutzt. In der Regel erhalten ausschließlich schwer erkrankte Diabetes-Patienten eine Bauchspeicheldrüse Verstorbener oder daraus gewonnener Inselzellen. Eine Transplantation kommt bei Diabetikern nur in Betracht, wenn sie unter einem extrem schwankenden Blutzuckerspiegel leiden.

Der 43-Jährige Patient ist nach einer ersten operativen Notversorgung am 7. Februar in einem Krankenhaus der Region noch am selben Abend ans Dresdner Uniklinikum verlegt worden, um die durch einen stumpfen Stoß zerrissene Bauchspeicheldrüse und verletzte Bauchgefäße zu behandeln. Doch der Bauchchirurg Prof. Robert Grützmann, geschäftsführender Oberarzt und Bereichsleiter der Bauchspeicheldrüsenchirurgie an der von Prof. Jürgen Weitz geleiteten Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, konnte das Organ nicht komplett retten: Es war so nahe am Ausgang zum Darm durchtrennt, dass es nicht mehr zusammengefügt werden konnte. Der hintere Abschnitt der Bauchspeicheldrüse jedoch blieb unversehrt, dass es sehr gute Chancen gab, die darin befindlichen Langerhansschen Inseln – die sogenannten Inselzellen – herauszulösen. Sie produzieren das für den Stoffwechsel lebenswichtige Insulin.

Prof. Grützmann schaltete noch während der Operation Dr. Barbara Ludwig von der Medizinischen Klinik III ein. Die Internistin und Diabetologin ist auf die Aufbereitung von Inselzellen spezialisiert und hat in den vergangenen Jahren entsprechende Transplantationen für rund 20 Patienten maßgeblich betreut. Dr. Ludwig übernahm den herausoperierten, intakten Abschnitt der Bauchspeicheldrüse. Noch in derselben Nacht wurden in einem komplexen Verfahren die Inselzellen aus der Drüse herausgelöst und für die Transplantation aufbereitet. Schon diese Arbeiten in einem Speziallabor des Uniklinikums stimmten das Team optimistisch: Dr. Ludwig konnte aus dem Restpankreas rund 200.000 lebende, Insulin bildende Zellen isolieren – eine normale Bauchspeicheldrüse beherbergt etwa eine Million dieser Pankreas-Inseln.

Am Freitagmorgen dann (8. Februar) wurden die zu Inseln zusammengeballten Zellen – in dieser Form sind sie bis zu einem halben Millimeter groß und mit dem bloßen Auge erkennbar – dem Patienten in die Leber übertragen: Prof. Grützmann und Dr. Ludwig injizierten die Zellen in die die Leber zentral mit Blut versorgende Pfortader. Ähnlich einer Infusion schwemmte das OP-Team die Zellen innerhalb einer halben Stunde in das Organ ein. Inzwischen konnten die Klinikumsärzte nachweisen, dass der Patient wieder eigenes Insulin produziert – die Inselzellen haben sich offenbar in dem Organ angesiedelt.

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Quelle: Information des Universitätsklinikus Carl Gustav Carus Dresden