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Richtlinie zur Förderung von Forschungsvorhaben auf dem Gebiet "Targetvalidierung für die pharmazeutische Wirkstoffentwicklung"

13.03.2017

1 Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage

Forschung zu innovativen Wirkstoffen und die Entwicklung von Arzneimitteln sind entscheidende Voraussetzungen für den medizinischen Fortschritt. Weltweit nehmen in Industrie- und Schwellenländern Volkskrankheiten und Mehrfach­erkrankungen zu, die durch eine Arzneimitteltherapie günstig beeinflusst werden können. Neben nicht übertragbaren chronischen Erkrankungen bedrohen vor allem Infektionskrankheiten in zunehmendem Maße unsere Gesundheit. Insbesondere der starke Rückgang neu zugelassener Arzneimittel gegen Infektionskrankheiten sowie die zunehmende Resistenzentwicklung von Krankheitserregern gegenüber antiinfektiven Wirkstoffen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Gesellschaft dar. Es besteht ein weltweit hoher Bedarf an neuen, innovativen Wirkstoffen für effiziente und wirkungsvolle Arzneimittel.

Eine der wichtigsten Grundlagen für die Wirkstofffindung ist die Wahl des Ansatzpunktes (englisch Target) für den neuen Arzneistoff, sei es, um eine menschliche Körperfunktion zu modulieren oder einen infektiösen Erreger anzugreifen. Insbesondere im Bereich der Antibiotikaentwicklung wurde bisher nur eine kleine Auswahl der möglichen Targets in Bakterien adressiert. Dabei könnte die Nutzbarmachung neuer Targets wesentlich zur Verringerung der Resistenzbildung beitragen. Der Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen wird national und international höchste Priorität ­eingeräumt, festgehalten im globalen Aktionsplan zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen der Weltgesundheitsorganisation, in der Deutschen Antibiotika Resistenz-Strategie (DART 2020) sowie der Abschlusserklärung des G7-Wissenschaftsministertreffens im Oktober 2015 in Berlin. Mit der "Nationalen Wirkstoffinitiative" hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, die Wirkstoffforschung insbesondere im Bereich der Infektionskrankheiten zu stärken und die Entwicklung neuer Medikamente zu fördern.

Das Wissen zu neuen Targets wird zum allergrößten Teil an Hochschulen und Forschungseinrichtungen erarbeitet und ist wichtiger Ausgangspunkt für die gesamte weitere Wirkstoffentwicklung. Um die dort gewonnenen Erkenntnisse für die weiterführende Arzneimittelentwicklung anschlussfähig zu machen, müssen wissenschaftliche Einrichtungen dazu befähigt werden, eine Validierung von Targets nach industriellen Standards durchzuführen. Dies erfordert einen intensiven Wissensaustausch von Hochschulen und Forschungseinrichtungen mit Pharma- und Biotechnologieunternehmen. Die Verbesserung des Transfers von Forschungsergebnissen in die Anwendung wurde im Pharmadialog der Bundesregierung zwischen Vertreterinnen und Vertretern der drei Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF), Gesundheit sowie Wirtschaft und Energie, der Wissenschaft, der Unternehmen und Gewerkschaften als ­wesentliches Ziel definiert. Auch das vom BMBF im Jahr 2015 ins Leben gerufene Forum Gesundheitsforschung und seine Arbeitsgruppe "Wertschöpfungskette" unterstützen dieses Anliegen ausdrücklich.

Die vorliegende Förderrichtlinie "Targetvalidierung für die pharmazeutische Wirkstoffentwicklung" greift genannte Empfehlungen auf. Sie ist eingebettet in die Hightech-Strategie und das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung. Ein zentrales Ziel des Aktionsfeldes 5 "Die Innovationsherausforderung: Gesundheitswirtschaft" im Rahmenprogramm ist es, vielversprechende Ansätze aus der Wissenschaft schneller in die medizinische Anwendung zu bringen. Diese beschleunigte Translation nützt unmittelbar den Patientinnen und Patienten und stärkt mit der Gesundheitswirtschaft eine der wichtigsten Zukunftsbranchen Deutschlands. Gleichzeitig ist die vorliegende Förderrichtlinie die erste Fördermaßnahme im Rahmen der "Nationalen Wirkstoffinitiative" der Bundesregierung. Weitere Ziele dieser Initiative zu späteren Phasen der pharmazeutischen Wertschöpfung wird das BMBF in Kürze mit der Veröffentlichung separater Förderrichtlinien verfolgen.

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Quelle: Bekanntmachung des BMBF vom 23. Februar 2017/ Bundesanzeiger vom 09.März 2017