News

Richtlinie zur Förderung von Diagnostika und neuartigen Therapien zur Behandlung bakterieller Infektionen

30.09.2016
Das BMBF beacbsichtigt, sowohl die Entwicklung neuer Diagnostika für den zielgerichteten Einsatz von Antibiotika als auch die Entwicklung neuartiger Therapien zur Behandlung bakterieller Infektionen in der Humanmedizin zu fördern.

Bekanntmachung des BMBF vom 9. September 2016 / Bundesanzeiger vom 29.September 2016

1 Zuwendungszweck, Rechtsgrundlage

Resistenzen bakterieller Krankheitserreger gegenüber antibakteriellen Wirkstoffen haben in den letzten Jahren weltweit bedrohliche Ausmaße angenommen. Diese Problematik wird in unterschiedlichen internationalen und nationalen ­Kontexten thematisiert, z. B. von der WHO im Rahmen der 68. Weltgesundheitsversammlung im Jahr 2015. Auch die G7 erklärte zum Abschluss der deutschen Präsidentschaft 2015, dass u. a. die Entwicklung von und der Zugang zu neuen Antibiotika, alternativen Therapien, Impfstoffen und patientennaher Sofortdiagnostik verstärkt werden solle. In der Deutschen Antibiotika Resistenz-Strategie (DART 2020) ist die Erforschung und Entwicklung neuer Antibiotika als ein entscheidendes Element verankert.

Im Pharmadialog der Bundesregierung haben sich Vertreterinnen und Vertreter der drei Bundesministerien für Bildung und Forschung, Gesundheit sowie Wirtschaft und Energie gemeinsam mit Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreterinnen und -vertretern mit den Herausforderungen der pharmazeutischen Industrie in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Produktion und Versorgung beschäftigt. Der Umgang mit Antibiotikaresistenzen wurde in der Unter­arbeitsgruppe "Antibiotika" vertieft beraten. Eine der resultierenden Handlungsempfehlungen betont die Notwendigkeit der verstärkten Erforschung und Entwicklung neuartiger Therapieansätze und Diagnostika für bakterielle Infektionen.

Die vorliegende Förderrichtlinie greift die genannten nationalen und internationalen Empfehlungen auf.

Diese Förderrichtlinie ist eingebettet in die Hightech-Strategie und das Rahmenprogramm Gesundheitsforschung der Bundesregierung. Ein zentrales Ziel des Aktionsfelds 5 "Die Innovationsherausforderung: Gesundheitswirtschaft" im Rahmenprogramm ist es, die Umsetzung von aktuellen Forschungsergebnissen in innovative Produkte und in die ­klinische Anwendung zu verbessern und so die Gesundheitswirtschaft zu stärken.

1.1 Zuwendungszweck

Viele unterschiedliche Faktoren tragen zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei. Als ein wesentlicher Grund gilt der zuweilen übermäßige und nicht immer sachgemäße Einsatz von Antibiotika im ambulanten Bereich und in ­Krankenhäusern. Der Einsatz neuer und besserer Verfahren für die patientennahe Labordiagnostik (Point-of-Care-Testing, POCT), die Erreger einschließlich ihrer Antibiotikaresistenzen zuverlässig, schnell und günstig im Krankenhaus oder in der Arztpraxis nachweisen, kann zu einer passgenaueren und effizienten Anwendung von Antibiotika beitragen. Diese Diagnostika werden für verschiedene Fragestellungen benötigt: Mit geeigneten Testverfahren können bakterielle von viralen Infektionen unterschieden werden, um den Einsatz von Antibiotika bei nicht bakteriell bedingten Infektionen zu vermeiden. Für die gezielte, wirksame und zügige Behandlung bakterieller Infektionen werden Tests benötigt, mit denen Resistenz oder Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber antibakteriellen Wirkstoffen erfasst werden kann. Schnelle Nachweisverfahren können überdies die klinische Entwicklung neuer Schmalspektrumantibiotika und Therapien verbessern. Der Einsatz von Schnelldiagnostik bei der Aufnahme von Patienten in Krankenhäuser kann darüber hinaus zur Vermeidung der weiteren Ausbreitung (multi-)resistenter Infektionserreger beitragen, indem infizierte Patienten identifiziert und umgehend isoliert werden können.

Die Entwicklung von Resistenzen ist ein natürlicher evolutionsbiologischer Vorgang, der selbst bei optimalem Einsatz von Antibiotika nicht verhindert, sondern lediglich verzögert werden kann. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, dass neue Behandlungsmöglichkeiten entwickelt und in die Anwendung gebracht werden. Vollkommen neue Behandlungskonzepte werden benötigt, um das Behandlungsspektrum von bakteriellen Infektionskrankheiten zu ­erweitern und besonders auch resistente Keime wirksam zu bekämpfen.

Mit der vorliegenden Richtlinie beabsichtigt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) daher, sowohl die Entwicklung neuer Diagnostika für den zielgerichteten Einsatz von Antibiotika als auch die Entwicklung neuartiger Therapien zur Behandlung bakterieller Infektionen in der Humanmedizin zu fördern. [...]

Die komplette Bekanntmachung des BMBF erhalten Sie hier.