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Neues KMU-Instrument ("Dedicated SME Instrument") auf EU-Ebene eingeführt

04.09.2014
Auf EU-Ebene wurde ein neues KMU-Instrument eingeführt, um konkrete Ideen zur Marktreife zu entwickeln. Es vereint schnelle Förderentscheidungen, themenoffene Förderung und einen drei-Phasen-Ansatz.

Auf EU-Ebene wurde ein neues KMU-Instrument eingeführt, um konkrete Ideen zur Marktreife zu entwickeln. Es vereint schnelle Förderentscheidungen, themenoffene Förderung und einen drei-Phasen-Ansatz. Die Förderung von einzelnen KMU ist möglich.

Ein Instrument nur für KMU

Das neue Förderinstrument auf europäischer Ebene richtet sich ausschließlich an kleine und mittlere Unternehmen mit Wachstumspotenzial, Ideen mit hohem Innovationsgrad und europäisch bzw. international ausgerichteter Geschäftstätigkeit. Verfolgt wird dabei ein (weitgehend) themenoffener Ansatz. Das Instrument wird in den Förderlinien "Führende Rolle bei grundlegenden und industriellen Technologien" (Teil II des Spezifischen Programms) und "Gesellschaftliche Herausforderungen" (Teil III des Spezifischen Programms) angewendet. Neben technologischen können auch nicht-technologische Ansätze, wie z. B. soziale Innovationen oder Innovationen im Dienstleistungssektor, unterstützt werden.

Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit zu Verbund- oder Einzelförderung (in den EU-Dokumenten als multi bzw. mono bezeichnet). Antragsberechtigt sind ausschließlich gewinnorientierte KMU, welche die KMU-Kriterien der Europäischen Union erfüllen und ihren Sitz in den EU-Mitgliedstaaten oder an Horizont 2020 assoziierten Ländern haben. Eine Beteiligung von Forschungsdienstleistern aus anderen Organisationstypen ist nur bei guter Begründung als Unterauftragnehmer möglich.

Phasenweise Förderung entlang des Innovationszyklus

Das KMU-Instrument ist aufgegliedert in die drei Phasen:

  • Machbarkeit - Von der Idee zum Konzept (Phase 1)
  • Umsetzung - Vom Konzept zur Marktreife (Phase 2) und
  • Markteinführung - Kommerzialisierung (Phase 3).

Fördergelder können für Phase 1 und Phase 2 beantragt werden. Für beide Phasen gilt: Das Instrument greift ab TRL 6. Das heißt, Forschungsergebnisse müssen ebenso wie ein Demonstrator vor Projektstart bereits vorliegen. Gefördert wird nur die marktnahe Entwicklung ab "Demonstration unter Einsatzbedingungen". Eine Ausnahme bildet hier im Arbeitsprogramm 2014/15 der Bereich Gesundheit. Erfolgreiche Antragstellende haben die Möglichkeit, Coaching und Mentoring als Unterstützung während Phase 1 (bis zu drei Tage) und Phase 2 (bis zu zwölf Tage) wahrzunehmen. In Phase 3 werden erfolgreiche Phase-2-Projekte in der Kommerzialisierung unterstützt, es gibt jedoch keine direkten Fördergelder.

Phase 1

In Phase 1 wird eine ökonomische (und gegebenenfalls aus technische) Machbarkeits- oder Durchführbarkeitsstudie pauschal mit 50.000 Euro gefördert. Der Antrag umfasst zehn Seiten inkl. Businessplan. In der Projektdauer von ca. sechs Monaten soll in einer Machbarkeitsstudie die Realisierbarkeit der vorgeschlagenen disruptiven Innovation, beziehungsweise des vorgeschlagenen Konzepts, für Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen überprüft werden - mit Fokus auf die mittelfristige Kommerzialisierung. Als Ergebnis soll ein konkretisierter Businessplan entstehen, der Grundlage einer Bewerbung für Phase 2 ist.

Phase 2

In Phase 2 werden in 1 - 2 Jahren Innovationsmaßnahmen (Demonstration, Testing, Protottypen, Pilotmaßnahmen, Scale-up und Miniaturisierung, Design bis hin zur Marktumsetzung) durchgeführt. Der Richtwert für die Förderung beträgt zwischen 0,5 und 2,5 Mio. Euro, es gibt jedoch Ausnahmen. Die Förderquote beträgt i. d. R. 70 %.
Am Ende von Phase 2 soll ein/e fertige/s Produkt/Verfahren/Dienstleistung stehen sowie ein weiterentwickelter Businessplan als Basis für Phase 3.

Phase 3

In Phase 3 erfolgt die wettbewerbliche Kommerzialisierung des Projekts. Diese Phase umfasst keine direkten Fördergelder, sondern indirekte Unterstützungsmaßnahmen, um den Markteintritt zu erleichtern. Dies erfolgt durch eine Reihe zusätzlicher Dienstleistungen, einschließlich der Unterstützung der Investitionsbereitschaft und des Zugangs zu Risikofinanzierungsinstrumenten. Diese Phase wird – ebenso wie das Coaching in den ersten beiden Phasen – durch das Enterprise Europe Network (EEN) unterstützt.

Bewertungskriterien

Die Anträge werden nach den Kriterien Exzellenz, Auswirkungen und Qualität der Umsetzung bewertet ("Excellence", "Impact" und "Implementation"). Im Fokus stehen dabei Aspekte wie der europäische Mehrwert (warum EU-Förderung statt nationaler Förderung?), das Alleinstellungsmerkmal (Unique Selling Point (UPS)) und das Potenzial der Innovation, Märkte nachhaltig zu beeinflussen und zu verändern. Zudem werden die Umsetzungskapazitäten und das Entwicklungspotenzial der Antragsteller sowie deren internationale Strategie beleuchtet.

Die Bewertung wird durch Gutachterinnen und Gutachter vorgenommen, die letztendlich über Ihren Förderzuschlag entscheiden. Die Europäische Kommission sucht, insbesondere auch für das KMU-Instrument, Experten und Expertinnen mit Industrieerfahrung, die Interesse haben, Begutachtungen im Auftrag der Kommission bzw. der EASME durchzuführen. Interessierte können sich über das Teilnehmerportal registrieren. Expertinnen und Experten, die sich in der Datenbank der Europäischen Kommission als Gutachter eintragen, können weiterhin als Antragstellende an allen Förderbereichen von Horizont 2020 teilnehmen, können aber wertvolle Erfahrungen zur Begutachtung bei eigenen Anträgen verwerten.

Ausschreibungen für 2014 und 2015

Zu den Ausschreibungen des KMU-Instruments für Phase 1 und 2 können laufend Anträge eingereicht werden ("offenes Antragsverfahren"). Die Begutachtung der Projektanträge erfolgt sukzessive, so dass die Antragstellenden recht zeitnah über das Ergebnis der Begutachtung informiert werden können. Die Anträge sind online einzureichen und können dann vor der Förderentscheidung nicht mehr überarbeitet werden. Die finale Entscheidung über die zu fördernden Projekte erfolgt zu vorab festgelegten Stichtagen ("cut-off dates"). Zu den Stichtagen wird eine Rangliste erstellt, wobei die Projekte mit den höchsten Punktwerten, dem zum jeweilgen Stichtag zur Verfügung stehenden Fördertopf entsprechend, einen Förderzuschlag erhalten. Eine Überarbeitung und Wiedereinreichung abgelehnter Anträge ist möglich, sobald der Ablehnungsbescheid bei den Antragstellern eingegangen ist.
Die Organisation der Evaluierung, Auswahl und des Managements der Projekte des KMU-Instruments nimmt die Exekutivagentur für KMU (EASME) wahr.