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»Keine andere Region ist für diesen Strukturwandel besser geeignet«

27.09.2022
Die Region Leipzig steht vor einem Strukturwandel. Expertinnen und Experten beraten, welche Rolle die Gesundheitswirtschaft spielen kann.

Sachsen und insbesondere die Region Leipzig stehen vor großen Herausforderungen. Die traditionelle Braunkohleindustrie wird abgewickelt. Wie lässt sich Strukturwandel durch Gesundheitswirtschaft gestalten? Welche Akteure sind am Start? Und wie gelingt eine erfolgreiche Vernetzung? Ein Roundtable mit Prof. Dr. Dr. Ulrike Köhl, Fraunhofer IZI, Prof. Dr. Thomas Neumuth, Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS), Prof. Dr. med. habil. Christoph Josten, Universitätsklinikum Leipzig (UKL), André Hofmann, biosaxony, Dr. Kerstin Stangier, Azenta Life Sciences/GENEWIZ, und Ivonne Wolff, Canopy Biosciences – A Bruker Company, German Registry: ZELLKRAFTWERK GmbH.

Plattform Life Sciences: Herr Hofmann, was zeichnet den Life-Sciences-Standort Leipzig aus?

Hofmann: Sachsen hat sich im Life-Sciences-Kontext in den letzten Jahren enorm entwickelt. Grund dafür ist unter anderem, dass am Standort Leipzig Menschen mit Pioniergeist leben, dem Drang zu forschen und Machermentalität. Hier trifft Forschung auf eine schnelle Genehmigungs- und Transferkultur, sodass Leipzig zum wirtschaftlichen Motor der Biotechno­logie in Sachsen wurde. Aktuell sind die lokalen Inkuba­toren, wie die BIO CITY LEIPZIG mit 36 Mietern, aus einem breiten Spektrum der Life Sciences in unterschiedlichen Entwicklungsstadien komplett belegt. Vor Ort betreuen wir viele Start-ups und zuletzt konnten wir mit der Medical Forge ein ­eigenes Accelerator-Programm für smarte Medizinprodukte ins Leben rufen. Daneben haben aber auch mehrere größere ­internationale ­Unternehmen ein Entwicklungszentrum oder andere Formen der Niederlassung in Leipzig.

In Leipzig liegt der Fokus in den Life Sciences ganz klar im Bereich der Zell- und Gentherapie. Darüber hinaus besitzt der Standort eine starke Expertise in den Bereichen Medizintechnik, Digital Health sowie medizinische Informations- und Kommunikationstechnologie – etwa bei der Entwicklung von 5G- und 6G-Anwendungen.

Frau Stangier, das Unternehmen Azenta Liefe Sciences, früher GENEWIZ, hat sich bewusst für den Standort Leipzig entschieden. Was war der Grund?

Stangier: Im Rahmen unseres Portfolios bieten wir eine Reihe von Dienstleistungen für unsere Biotech- und Pharmakunden mit branchenführenden Bearbeitungs­zeiten und wettbewerbsfähigen Preisen an. Wir verfügen über ein europaweites Netzwerk, über das unsere Kunden ihre Proben an uns senden können, teilweise über spezielle Postfächer oder über Dienstleister. Diese Proben und Pakete werden zentral bei DHL gesammelt, und alle Pakete werden europaweit vom Flughafen Leipzig aus verschickt, der rund um die Uhr erreichbar ist.

Außerdem haben wir uns für Leipzig entschieden, weil wir von biosaxony ­unterstützt werden. Das fing bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten an und endete bei der Suche nach Mitarbeitern. Wir haben festgestellt, dass die Mietpreise günstiger sind als in anderen Regionen und dass sich der Arbeitsmarkt entspannter gestaltet. Auch die Nähe zu Berlin ist reizvoll.

Frau Wolff, erfolgte die Ansiedlung von Zellkraftwerk in Leipzig aus demselben Grund?

Wolff: Zellkraftwerk ist eine Ausgründung aus der Medizinischen Hochschule ­Hannover. Bei der Suche nach einem ­geeigneten Standort waren für uns neben der zentralen Lage auch die wissenschaftliche Exzellenz und das Finden potenzieller Kooperationspartner vor Ort wichtige Faktoren. In Leipzig waren alle Kriterien erfüllt und wir konnten beispielsweise mit dem Fraunhofer IZI oder mit der Univer­sität Leipzig sehr erfolgreich innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich der hochparametrischen Zell­analyse auf den Weg bringen bzw. abschließen. Für Zellkraftwerk als Pionier der Chipzytometrie war das Vorhandensein dieser wissenschaftlichen Expertise auch für die Weiterentwicklung unserer Technologieplattform ein wichtiger Punkt. Dazu kamen ein ausgezeichneter Support durch die Stadt Leipzig und die Fördermöglichkeiten durch das Bundesland Sachsen ­gerade für kleine und mittelständische ­Unternehmen.

Herr Josten, was sind die wesentlichen Eckpunkte des angestrebten Strukturwandels in der Gesundheits­wirtschaft, der auch hier am Standort vollzogen werden soll?

Josten: Der angesprochene Strukturwandel ist nicht neu, schlussendlich wird über den Transfor­mationsprozess in der Gesundheits­wirt­schaft schon seit Dekaden gesprochen. ­Allerdings wurden in der Vergangenheit allenfalls Schönheitsreparaturen vorgenommen. Inzwischen sind die Herausforderungen so groß geworden, auch durch die Coronapandemie, dass nunmehr allen Stakeholdern der Gesundheitswirtschaft klar geworden ist, dass es ein »Weiter-so« nur noch ganz limitiert gibt. Nur an einer Stellschraube zu drehen bringt wenig. Wir haben den Krankenhausbereich, den ­ambulanten Sektor, den Wissenschafts­bereich und die Wirtschaftsunternehmen. Nur wenn all diese Parteien einbezogen sind, kann diese Herausforderung angenom­men werden und dieser Wandel gelingen.

Das ist natürlich auch eine Kostenfrage, und die Aussage von Frau Dr. Stagnier hat hervorragend verdeutlicht, wie sehr auch Unternehmen aus dem Medizinbereich auf eine funktionierende Wirtschaft in anderen Segmenten angewiesen sind, etwa im Logistikbereich, oder auf eine gut funktionierende Vernetzung mit Forschungs­einrichtungen aus dem nicht-universitären Bereich, wie Fraunhofer, Helmholtz oder Max-Planck-Institute.

Fällt denn der angestrebte Strukturwandel hier vor Ort auch bei jenen Parteien auf fruchtbaren Boden, die zuvor mit dem Thema »Gesundheit« eher wenig zu tun hatten?

Neumuth: Ich glaube, es gibt keine Region in Deutschland, die für diesen Strukturwandel besser geeignet wäre. Ein wesentlicher Baustein des Strukturwandels in der Gesundheitswirtschaft sind die Themen Digitalisierung, Vernetzung und Weiterleitung von Informationen in Bezug auf eine allumfassende Patientenver­sorgung. Gleichzeitig präsentiert sich die Digitalisierung als ein sehr attraktives Feld für junge Menschen. In der Region Leipzig und in Mitteldeutschland besteht eine hohe Synergie zwischen Unter­nehmen aus dem IT-Bereich und aus der Gesundheitsversorgung. Zugleich ist die Region attraktiv für junge Menschen. ­Dieses Zusammenspiel findet man meiner Meinung nach sonst nicht in Deutschland.

Josten: Transformation und Neudenken ist ein »Leipziger Gen«. Die Stadt hat viele Wandlungsprozesse im Lauf ihrer Geschichte durchmachen müssen und erfolgreich beendet. Sie ist Standort einer der ältesten Hochschulen, sie war ein Fokus der Industrialisierung, sie hat den gesellschaftlichen Wandel nach der Wende geschafft und ist zu einer »Boom-Town« geworden. Wandel und Transformation beziehen sich in Leipzig auf viele Bereiche, weit über Gesundheitsversorgung und Digitalisierung hinaus, etwa auch auf Kultur, Malerei oder Literatur. Leipzig lebt den Wandel, und das ist eine ideale Voraussetzung, um die Transformation der Gesundheitswirtschaft voranzutreiben und wesentlich mitzugestalten.

Frau Köhl, welche Schwerpunkte in der Gesundheitswirtschaft sehen Sie in der Region Leipzig?

Köhl: Da ist zum einen die ­Medizintechnik, das digitale, operative und automatisierte Operieren mit dem ­Innovation Center Computer Assisted ­Surgery (ICCAS) sowie die Zell- und Gentherapie, für welche das Fraunhofer IZI und auch das Universitätsklinikum ­stehen. Was diese Region ebenso auszeichnet, ist die gute Kooperation zwischen den ­Städten Leipzig und Dresden, die Interdisziplinarität zwischen Universitätskliniken sowie zwischen Start-ups und ingenieurtechnischen oder IT-Fachleuten. Diese ­Interdisziplinarität wird die Zell- und ­Gentherapie in der Region entscheidend vorantreiben.

Trotz der guten Möglichkeiten in der Region müssen wir die hiesige Entwicklung aber auch im internationalen Kontext betrachten. Im internationalen Vergleich geht die Entwicklung in Deutschland aufgrund bestehender politischer Rahmenbedingungen immer noch viel zu langsam und unflexibel voran. Das haben zwar alle wichtigen Parteien inzwischen erkannt – konkrete Anpassungen und Verbesserungen stehen aber leider noch aus. Das führt dazu, dass Ausgründungen oder Ansiedlungen großer ausländischer Pharma­konzerne eben nicht in Deutschland oder hier in der Region erfolgen. Beispielsweise hat das Fraunhofer IZI eine europäische Zulassungsstudie für ein innovatives ­Zelltherapeutikum mit Novartis durch­geführt. Mittlerweile kommt diese ­Therapie auch an den Universitätsklinken in Leipzig und Dresden regelmäßig zur ­Anwendung. Leider kommen die Präpa­rate nunmehr aus ausländischen ­Produktionsstätten, weil Leipzig und ­andere deutsche Standorte für die ­Ansiedlung eines Produktionsstandorts aus Sicht des Pharmapartners nicht die geeigneten Rahmenbedingungen vor­hielten.

Welche Möglichkeiten bestehen in der Region, Kooperationen zu fördern oder die Ansiedlung und Finanzierung von Start-ups zu unterstützen?

Köhl: Man muss in stärkeren und größeren Innovation Hubs denken. Es ist uns in Sachsen gelungen, mit SaxoCell einen Cluster für die Zell- und Gentherapie zu installieren, mit dem Universitäts­klinikum Leipzig und dem Fraunhofer IZI in leitenden Positionen. Hervorheben möchte ich auch das Center for Medicine Innovation. Wir haben Dimensionen an Clusteraktivitäten erreicht, die mit dem Niveau der Entwicklungen in den USA, etwa an der University of Pennsylvania, oder im asiatischen Raum vergleichbar sind. Eine raschere Bündelung von innovativen Kräften in der Region würde ich mir für die Zukunft wünschen.

Was verbirgt sich hinter dem Center for Medicine Innovation?

Neumuth: Das Zentrum ist geplant als eine Einrichtung, die es Wissenschaftlern der Lebenswissenschaften aus Deutschland und Europa ermöglicht, ihre Ideen in Produkte und Unternehmen zu überführen. Wir planen das CMI als technologieorientiertes Forschungszentrum, da es in Deutschland aus unserer Sicht ­bereits ausreichend Einrichtungen gibt, die sich auf bestimmte Krankheitsbilder spezialisiert haben. Die Wissenschaftler erhalten von uns die Möglichkeit, ihrer Technologie den letzten Schliff vor der Produktreife zu geben, beispielsweise ­hinsichtlich der Zertifizierung. Diese ­Möglichkeiten haben Wissenschaftler nicht in ihren Universitäten, sie brauchen sie aber, um beispielsweise in Deutschland Venture Capital zu akquirieren. Gleichzeitig soll auch den neuen Entwicklungen im Bereich Personalisierung oder Digitalisierung der Medizin eine passende Infrastruktur bereitgestellt werden.

Gibt es Vergleiche zu anderen Ländern?

Stangier: Unsere Muttergesellschaft hat ihren Sitz im Raum Boston in den Vereinigten Staaten. Ich sehe deutliche Unterschiede in den Rahmenbedingungen zwischen den USA und Deutschland, z.B. bei den Zulassungs­verfahren im Bereich der personalisierten Medizin, wo die USA führend sind. In den letzten zwei Jahren hat es in Deutschland und in Europa positive Veränderungen ­gegeben, und auch die Pandemie hat zu Verbesserungen bei den Zulassungen oder der Kapitalbeschaffung geführt. Aber diese Veränderungen waren nicht von Dauer.

Ein Beispiel: Wir hätten sehr leicht ­COVID-19-PCR-Tests durchführen können. Wir hatten die notwendige Ausrüstung und das Personal – aber wir haben die ­Genehmigungen nicht bekommen. Das sind gewaltige bürokratische Hürden. Natürlich muss es Kontrollen geben, aber das ist ­einer der Gründe, warum es für Unter­nehmen einfacher ist, für klinische Studien in die USA oder nach Asien zu gehen.

Köhl: Es gibt durchaus zahl­reiche klinische Studien aus dem Bereich der Zell- und Gentherapie, die in Deutschland laufen, weil ganz einfach das medizinische Niveau in Deutschland sehr hoch ist. Das Problem ist die Geschwindigkeit. Es gibt eine saloppe Faustregel: Wenn man einen Vertrag über eine klinische Studie in China abschließen möchte, dauert das ­ungefähr drei Wochen, in den USA drei Monate und in Deutschland drei Jahre. Wir müssen eine Balance hinbekommen, unser hohes Niveau zu halten, gleichzeitig aber die Geschwindigkeit zu erhöhen, ­notwendige Genehmigungen zu erhalten, um hochwertige Ergebnisse früher zur Verfügung stellen zu können.

Wolff: Genau aus diesen Gründen haben wir 2019 unsere Fühler in die USA aus­gestreckt, uns vor Ort einen starken ­Partner gesucht und sind mit dem kleinen US-amerikanischen Unternehmen Canopy Biosciences fusioniert. 2020 wurden wir dann von Bruker gekauft, die den von uns adressierten Wachstumsmarkt der hochparametrischen Zellanalyse erkannt haben, diesen aber auch von den USA weitaus besser bedienen können, weil eben ­beispielsweise im Bereich der ­Regulatorik in den USA wesentlich ­weniger Hürden existieren.

Halten wir aber an dieser Stelle trotzdem fest: »Leipzig boomt! « Oder, Herr Hofmann?

Hofmann: Ich kann es nur bestätigen. Wir haben zwei sich überlagernde Strukturwandelprozesse, mit denen wir uns ­beschäftigen: einerseits den Wandel in der Gesundheitswirtschaft generell, andererseits den Abbau der Braunkohlewirtschaft in der Region, der uns die große Chance gibt, eine auslaufende Technologie als Schwerpunktbranche durch eine zukunftsträchtige neue zu ersetzen und die Gesundheitswirtschaft als führende Industrie in der Region aufzubauen. ­Bedingt durch Fördermittel einerseits, aber auch durch einen politischen Willen andererseits haben wir die Möglichkeit, neue und wesentlich nachhaltigere Industriezweige hier zu etablieren. Natürlich ist das ganz klar der Bereich der Lebens­wissenschaften, und viele Partner haben die Chance erkannt, in ebendiese zu investieren. Die zwei Bereiche, die durch Corona einen großen Schub erhalten haben, ­waren eben die IKT/IT und die Lebens­wissenschaften.

Eines der wichtigsten Projekte ist die Medical Forge, mit dem Universitätsklinikum Leipzig und dem Klinikum St. Georg als wichtigen medizinischen Partnern. ­Immer wieder sind Unternehmen mit der Bitte um Unterstützung auf uns zugekommen, etwa in Fragen der Regulatorik, ­Zulassung, Zertifizierung oder Erstattung und Implementierung. Um diese Fragestellungen herum haben wir die Medical Forge aufgebaut und laden ­jedes Jahr acht Start-ups ein, auch aus dem Ausland, um diesen auf ihrem Weg zu helfen. Dazu gehört die technische Unterstützung mit Labortechnik oder ­einem ­modernen 3D-Drucker für medizi­nische Anwendungen, aber auch die komplette Unterstützung rund um die Themen MDR und ivDR. Mit der Medical Forge ­wollen wir auch Neuansiedlungen in der Region fördern.

Die Stadt Leipzig hat dieses Ansinnen von Beginn an mit großem Engagement unterstützt. Es besteht eine gemeinsame Strategie und der gemeinsame Wille, hier etwas Nachhaltiges aufzubauen, der weit über dieses eine Projekt hinausreicht – und das ist ein wichtiger Punkt, der diese Region auszeichnet.

An solchen Prozessen sind viele Stakeholder aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft beteiligt. Wie bekommt man diese an einen Tisch?

Neumuth: Solche Prozesse erfordern viel Kommunikation. Man muss die Interessen der einzelnen Stakeholder ­kennen oder gemeinsam erarbeiten, um eine Win-win-Situation zu erreichen, hinter der am Ende alle stehen. Das Mindset in dieser Region ist aus meiner Sicht sehr konstruktiv. Es gibt eine gesunde ­Mischung aus Entscheidern, die schon seit Langem vor Ort sind, aber auch jungen Menschen oder Zugezogenen, die hier etwas bewegen möchten. Das Klima für neue Ideen ist in dieser Region sehr angenehm.

Herr Prof. Dr. Josten, warum ist eine Einrichtung wie die Medical Forge so wichtig für das Universitätsklinikum?

Josten: Für eine große Einrichtung wie das Universitätsklinikum ist es wichtig, dass eine allumfassende ­Patientenversorgung immer auch flankiert ist von maximaler Synergie mit den ­Einrichtungen und Institutionen der ­Medizinischen Fakultät und damit einer umfassenden Forschung, sei es die Grundlagen-, eine translationale oder umsetzungsorientierte Forschung. Zudem haben wir hoch qualifizierte Mitarbeiter, die ihr Potenzial nicht nur in der klinischen ­Versorgung der Patienten einbringen, ­sondern auch ganz andere Ideen ent­wickeln. Hier hat ein Klinikum durchaus seine Sackgassen bzw. die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung dieser Innovationen sind limitiert. Eine Medical Forge bietet uns daher den Raum, Ideen über die reine Patientenversorgung hinaus weiterzuentwickeln und eventuell sogar in eine Ausgründung zu bringen. Auf diese Weise können wir auch gut qualifizierte Fachkräfte und hochkompetente Wissenschaftler in unserer Region binden.

Frau Köhl, welche Rolle spielt das Thema „Ausgründung« beim Fraunhofer IZI?

Köhl: Das Thema spielt allgemein bei Fraunhofer eine große Rolle. Es gibt dafür auch spezielle interne Unterstützungsprogramme, die u.a. die Ansprache von Investoren miteinbezieht. Im Laufe der letzten Jahre ist es hier in Leipzig zu einer ganzen Reihe von Ausgründungen gekommen. Wir profitieren sehr von den guten Kooperationsmöglichkeiten, die wir vor Ort vorfinden, sei es das Universitätsklinikum oder der Cluster biosaxony.

Wie geht man in der Region mit dem Thema »Finanzierung« um?

Hofmann: Die Region wartet mit vielerlei guten Ideen und eine hoher Gründungsaktivität auf, aber es fehlt tatsächlich an Kapital, vor allem über die Seed-Finanzierung hinaus. Man versucht dann, bestehende Lücken über Fördermittel zu füllen. Eine langfristige Lösung des Finanzierungsproblems ist das nicht. Es gibt aber Bestrebungen, in Sachsen einen eigenen VC-Fonds für Seed-Finanzierungen aufzubauen. Bis dahin nutzen wir unsere ­Netzwerke, um Unternehmen und Kapitalgeber, viele davon aus dem Ausland, ­zusammenzubringen. Letztlich brauchen wir Erfolgsgeschichten, als Vorbilder für weitere Gründungen und Investitionen. Die Übernahme des Enzymherstellers c-LEcta durch die irische Kerry Group für 137 Mio. EUR im Februar ist so eine ­Erfolgsgeschichte. Wir laden Investoren ein, auf uns zuzukommen – wir vermitteln gern Kontakt zu interessanten Start-ups.

Josten: Es ist auch ein strukturelles Problem. Sachsen beherbergt weder finanzstarke Stiftungen noch ein DAX-Unternehmen, welches sich entsprechend engagieren könnte. Die starken möglichen Kapitalgeber sitzen eher in ­anderen Städten; das erschwert natürlich auch die Kontaktaufnahme. Die sächsische Landespolitik lässt nichts unversucht, dieses Manko auszugleichen.

Köhl: Natürlich sind die Unterschiede zwischen Leipzig, München oder Berlin auffällig. Im internationalen Kontext allerdings ist Deutschland generell im Hintertreffen.

Sachsen verfügt neben der Gesundheitswirtschaft über weitere starke Industrien, etwa im Bereich Robotik oder Chipherstellung. Wie funktioniert die Vernetzung dieser einzelnen Industriebereiche und wie kann die Gesundheitswirtschaft davon profitieren?

Neumuth: An einer Zusammen­arbeit der einzelnen Industrien führt in Zukunft kein Weg mehr vorbei. Die moderne Medizin ist angewiesen auf technischen Support aus dem Engineering- oder IT-­Bereich. Die Aufbereitung von Zellen etwa bedarf einer entsprechenden tech­nischen Infrastruktur. Hier müssen die ­Akteure in der Lage sein, eine gemeinsame Sprache zu finden und über bestehende Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten.

Viele Ingenieure und Techniker arbeiten schon heute an der medizinischen ­Fakultät. Die einzelnen Teams müssen ­interdisziplinär an gemeinsamen Projekten zusammenarbeiten. Das ist besser, als eine Kooperation über weite Entfernung aufzustellen.

Köhl: Mit SaxoCell wurde bereits ein industrieübergreifender Cluster aus KI, Digitalisierung sowie Zell- und Gentherapeutika geschaffen. Auch bei Fraunhofer sieht man einen sehr starken Trend zur Vernetzung biomedizinischer Forschung mit technologischen Diszi­plinen, z.B. der Produktionstechnik, ­Materialforschung, Mikrosensorik, Digitalisierung und KI. Im Zuge gemeinsamer Projekte lernt man eine gemeinsame Sprache. In Sachsen sehe ich diese Entwicklung sehr gut, insgesamt ist Deutschland aber noch viel zu kleinteilig. Wir müssen die Vernetzung noch stärker voran­treiben. Hier wünsche ich mir beispielsweise noch mehr interdisziplinäre Ausschreibungen seitens des BMBF. Diese interdisziplinären Facetten müssen wir noch stärker in den Vordergrund stellen. Seitens der Stadt Leipzig funktioniert das hervorragend, doch je höher die Ebene, umso schwerfälliger geht die Entwicklung voran.

Welche Rolle spielt das Thema ­»Fachkräftemangel« in der Region?

Stangier: Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. IT war schon immer ein sehr anspruchsvoller ­Arbeitsmarkt. Inzwischen erleben auch wir wie andere Unternehmen in diesem Markt einen Mangel an qualifizierten jungen Menschen im Laborbereich. Das ist zwar kein regionalspezifisches Problem, aber viele Arbeitnehmer haben im Zuge der Pandemie und der Homeoffice-Regelungen eine neue Definition von Work-Life-­Balance. Es ist schwierig geworden, qualifi­zierte Arbeitskräfte für ein Schichtsystem zu ­gewinnen. Hinzu kommt das bereits ­beschriebene politische Image Sachsens, das leider nicht zu unterschätzen ist.

Josten: Andererseits muss man auch auf den starken Bildungs­standort Leipzig hinweisen, mit der Universität, mehreren Fachhoch- und Berufsfachschulen. In der Region werden also viele gute Nachwuchskräfte ausgebildet. Diese Konzentration ist ein Vorteil. Die ­Region ist ein Motor für die Aus- und ­Weiterbildung von Fachkräften. Herausforderung ist, die Ausgebildeten in der Region zu halten.

Köhl: Ein gutes Beispiel ist auch die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Leipzig, biosaxony und dem Fraunhofer IZI in Bezug auf die Ausbildung von technischen Mitarbeitern in speziellen Reinräumen für die pharmazeutische Herstellung, also ­abseits der wissenschaftlichen Ausbildung und weit über die klassische Arbeit im Labor hinaus. Hier haben wir angefangen, Fachkräfte aus einem größeren Umkreis heranzuziehen und hier vor Ort zu schulen.

Natürlich ist die Abwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte ein Risiko. Allerdings erlebe ich auch immer wieder, dass sich viele Fachkräfte gerade aufgrund der hohen Lebensqualität Leipzigs, etwa auch durch das reichhaltige Kunst- und Kulturangebot, bewusst für einen Verbleib in der Stadt entscheiden.

Wolff: Zellkraftwerk ist ein Wachstums­unternehmen. Das ist natürlich positiv, verstärkt aber den Bedarf an Fachkräften. Aktuell sind wir bestrebt, unser Softwareteam zu vergrößern, und natürlich ist es eine Herausforderung, gute Fachkräfte zu gewinnen. Mit Unterstützung von Consultingfirmen suchen wir als international aufgestelltes Unternehmen weltweit. Natürlich müssen wir auch beachten, wie neue Kräfte in bestehende Teams ­integriert werden können. Zwar agieren wir auch viel virtuell, aber natürlich ist die Zusammenarbeit vor Ort entscheidend. Diese Herausforderungen bestehen leider nicht nur im IT-Bereich, sondern beispielsweise auch bei medizinisch-technischen Assistenzen. Umso wichtiger ist es, auch im eigenen Unternehmen ezielt frühzeitig Nachwuchs zu fördern.

Hofmann: Sachsen bildet im Prinzip aus­reichend Ingenieure aus. Engpässe sehe ich vor allem im nicht-akademischen ­Bereich. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IZI und weiteren Partnern haben wir etwa das Projekt QualiBioPharma zur Qualifizierung von Fachkräften in der Biotechnologie aufgelegt. Ziel ist die Entwicklung und Umsetzung eines Pilotprogramms zur Qualifizierung und Weiterbildung von branchenfremden Arbeitnehmern für die Beschäftigung in der produzierenden Pharmaindustrie und Biotechnologie – ­dafür haben wir uns gerade als Bildungsträger zertifizieren lassen. Das ist für eine Clusterorganisation schon außergewöhnlich.

Wie kann man gut qualifizierten Fachkräften das Thema »Ausgründung« schmackhaft machen? Auch, um potenzielle Abwanderungen aus der Region zu verhindern.

Neumuth: Wir müssen die bestehende Lücke von der akademischen Welt in die eigentliche Ausgründung schließen. Vielen Gründungsinteressierten aus der akademischen Welt war dieser Schritt in der Vergangenheit schlichtweg zu groß. Natürlich gibt es Gründerprogramme wie EXIST – aber allein aus finanzieller Sicht und auch die Sicherheit des Arbeitsplatzes betreffend sind diese Programme für viele Gründungsinteressierte einfach nicht attraktiv genug. Diesen Sprung zu wagen scheuen viele. Wir müssen diesen Übergang durchlässiger gestalten, auch in die umgekehrte Richtung. Das heißt, Gründer müssen die Rückversicherung erhalten, in die Wissenschaft zurückkehren zu können, wenn eine Ausgründung gescheitert ist.

Natürlich ist auch die Finanzierung des eigenen Unternehmens eine große Herausforderung. In unserer Branche brauchen wir bekanntermaßen eine hohe Anfangsinvestition. Diese Problematik müssen wir ganz besonders adressieren.

Josten: Das Entrepreneurship-Denken ist in unserer Gesellschaft nicht ausreichend implementiert. Wir sind einerseits ein »Behördenland«, d.h., es gibt möglicherweise zu viele ­behördliche Auflagen oder deren Bearbeitung dauert zu lange; andererseits sind die Menschen heute mehr denn je auf ­soziale und ökonomische Sicherheit aus. Dieses Sicherheitsdenken trifft man gerade in der jungen Generation zunehmend – so mein Eindruck. Darüber hinaus ist ­berufliches Scheitern, aber auch schon das Nicht-Erreichen eines beruflichen Ziels in Deutschland mit einem durchaus erheblichen persönlichen Makel versehen, anders als in anderen Ländern und deren Kultur, z.B. in den USA.

Köhl: Gründen ist auch eine kulturelle Debatte. Der Sicherheitsaspekt ist in vielen Familien sehr stark ausgeprägt. Das Thema »Ausgründung« wird in den USA ganz anders behandelt. Allerdings bestehen dort in den Kliniken auch nicht derart gesicherte Angestelltenverhältnisse wie bei uns in Deutschland.

Hofmann: Die Medical Forge wurde gerade auch unter dem Aspekt ins Leben gerufen. Fast alle Aktivitäten biosaxonys drehen sich darum, Gründern und wachsenden Unternehmen etwas den Gegenwind zu nehmen, der ihnen beim Start in ein selbstständiges Berufsleben oder eben in späteren Phasen entgegenweht. Dazu ­gehört auch das Thema Erstfinanzierung. Mit der Sächsischen Beteiligungsgesellschaft sind wir gerade in Gesprächen, ein Programm aufzulegen, welches pro Jahr drei Start-ups mit einer Erstfinanzierung von jeweils bis zu 450.000 EUR ausstattet.

Ist nicht gerade die Kombination aus verschiedenen Industriezweigen in Sachsen, etwa den Life Sciences und der IKT, eine gute Basis für erfolgreiches Entrepreneurship?

Josten: Die Begeisterung für eine Ausgründung muss in eine gewisse Kontinuität münden und darf nicht zu einem bloßen Strohfeuer verkommen. Dafür müssen aber die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt werden. ­Natürlich kann man mit einer guten Anfangs­finanzierung ein Jahr überbrücken, aber gemessen an den langen Entwicklungs­zeiten in den Lebenswissenschaften ist ein Jahr nichts. Dieses Risiko ist gerade für Gründer mit Familien sehr hoch. Viele scheuen sich daher, ein sicheres Angestelltenverhältnis zu verlassen, trotz guter Ideen und Perspektiven.

Wir können uns nicht darauf verlassen, dass Innovationen und der Transfer ebendieser ausschließlich von der öffentlichen Hand finanziert werden. Die Industrie und die großen Konzerne müssen erkennen, dass sie nicht nur ihre eigene Forschung ­finanzieren, sondern sie müssen auch in Venture Capital investieren, um den Standort Deutschland langfristig zu erhalten. Das gilt auch für Stiftungen.

Stangier: Es gibt einige gute Ideen, aber ich finde, dass es manchmal schwierig ist, falsche Vorstellungen zu korri­gieren. Viele Gründer stellen zu früh hohe Forderungen, deshalb müssen sich beide Seiten auf halbem Wege begegnen. Auf der einen Seite muss man den Gründern natürlich finanzielle Sicherheit ­geben, aber auf der anderen Seite muss man den Druck von der Industrie nehmen. Hier sind die beiden Pole noch nicht nah genug beieinander.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass viele Wissenschaftler von einem besseren Verständnis der Geschäftsprozesse profitieren würden. Hier brauchen wir mehr Mentoren und erfahrene Leute aus der Industrie, die Gründer unterstützen können. Wie baue ich ein Unternehmen auf? Worauf muss ich achten? Wo kann ich Hilfe bekommen?

Wolff: Ein gutes Beispiel ist Dr. Christian Hennig, der Gründer von Zellkraftwerk. Als Mediziner mit einem sehr hohen IT-Sachverstand hat er sein Know-how in den vergangenen Jahren in weitere Unternehmensgründungen einfließen lassen und Entrepreneurship vorangetrieben. Das heißt, er partizipiert nicht nur, sondern gibt sein Wissen auch weiter, etwa im Rahmen von Co-Working Spaces. Solche Beispiele muss man stärker kommunizieren und damit einen positiven Effekt erzeugen, der sich ­nachhaltig auf das Gründungsgeschehen allgemein auswirken kann.

Welche Unterstützungsmöglichkeiten bestehen in der Region, Wissenschaftler mit den notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen vertraut zu machen?

Neumuth: Man muss natürlich ­unterscheiden zwischen den Wissenschaftlern, die mit einem Gründungs­gedanken spielen, und solchen, die in der Wissenschaft bleiben wollen. Es gibt ­natürlich Angebote im städtischen Kontext oder im Kontext der Universität, wo Interessierte niederschwellig über gewisse betriebswirtschaftliche Grundlagen informiert werden. Insgesamt ist es aber schwierig, Themen wie Zulassung, Zertifizierung oder Regulatorik über eine klassische Schulung zu vermitteln. Hier wäre der deutlich bessere Weg, die Leute könnten über einen gewissen Zeitraum in ­einem Unternehmen mitarbeiten, um ­quasi am eigenen Leib zu erfahren, was sich hinter den genannten Begriffen ­verbirgt.

Hofmann: In Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung arbeiten wir aktuell seitens biosaxony an einem Angebot, Fragen von Gründern etwa zur Regulatorik ­gemeinsam anzugehen, sodass diese ­Themen und Aufgaben quasi an den Cluster outgesourct werden können. Das Interesse gerade kleinerer Unternehmen an solchen Dienstleistungen ist erheblich, denn sie wollen sich schlichtweg auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Wir wollen solche Verwaltungsprozesse von den ­Unternehmen fernhalten. Über biosaxony haben wir zudem auch für andere Themen ein großes Netzwerk an Mentoren, ­welches wir Start-ups zur Verfügung stellen können.

Woran könnte der angestrebte Strukturwandel scheitern?

Hofmann: Aus meiner Sicht könnte ein ­angestrebter Strukturwandel an verwaltungstechnischen Hürden scheitern. Das ist ein gängiges Risiko, mit dem solche Bottom-up-Projekte, wo Ideen aus der Wissenschaft im Zuge wirtschaftlicher ­Innovationen nachhaltig umgesetzt werden sollen, konfrontiert sind.

Der angestrebte Strukturwandel muss wirklich innovativ gestaltet werden. Ich sehe Projekte, die für mich keinen tatsächlichen Strukturwandel darstellen. Die ­Sanierung eines Rathausturms mag als Strukturwandel definiert werden, aber ­dadurch entstehen keine Arbeitsplätze. Wir brauchen messbare Größen für den Strukturwandel.

Neumuth: Ich glaube, das Thema Strukturwandel könnte scheitern, wenn ­finanzielle Ressourcen eher dafür verwendet werden, bereits vorhandene Strukturen zu festigen, statt neue zu etablieren. Sollten vorhandene Strukturen co-finanziert werden, findet kein Wandel statt. Ein Strukturwandel muss diversifizieren. Was ist wirklicher Wandel? Wo kann man ­diversifizieren?

Köhl: Ich glaube, wir können den Strukturwandel nicht nur lokal ­betrachten. Das Problem der Lieferketten ist auch in der Medizintechnik oder in der Zell- und Gentherapie immanent. Der Strukturwandel sollte demnach auch ein Stück unserer technologischen Souveränität wiederherstellen.

Josten: Wir dürfen nicht neidisch auf unsere Nachbarn und deren Erfolge sein. Anstatt uns zu fragen, warum Intel seine neue Chipfabrik in Magdeburg baut und nicht in Sachsen, sollten wir uns freuen, dass ein globaler Konzern seine neue Fabrik im benachbarten Bundesland installiert. Wir müssen uns auch über den Erfolg unserer Nachbarn freuen, und wir sollten uns überlegen, wie wir uns dort ggf. einbringen können bzw. welche positiven Aspekte wir daraus für unsere Region ziehen können.

Schließlich ist auch die geopolitische Lage ein wichtiger Faktor. Noch mehr »Einschläge« wie Corona oder den ­Ukrainekrieg würden einen notwendigen Strukturwandel zumindest erschweren, wenn nicht sogar verhindern – das können wir uns nicht mehr leisten.

Stangier: Ja, man darf nicht zu klein denken – aber auch nicht zu groß. Lieferketten sind eine Herausforderung. Ich ­denke, wir müssen mehr europäisch denken. Europa hat viele gute Ansätze, die zum gemeinsamen Nutzen der Industrie viel besser genutzt werden könnten. Auch in Europa gibt es bürokratische Hürden, die abgebaut werden müssen.

Der Preis ist eine wichtige Messlatte, aber wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass wichtige Dinge immer verfügbar und vor allem günstig sind. Wir haben uns daran gewöhnt, aber wir müssen uns weiterentwickeln und akzeptieren, dass der Strukturwandel und die Heraus­for­derungen der Zukunft ihren Preis haben. Wir müssen die Notwendigkeit der Interdisziplinarität noch stärker betonen und uns der Nachteile von Internationalität und Globalisierung bewusst werden.

Wolff: Strukturwandel beginnt mit Ideen und Gedanken in den Köpfen der Menschen, beginnt mit dem gesellschaftlichen Wandel in seiner ganzen Breite. Wir dürfen nicht erstarren. Wir dürfen nicht nur reden, wir müssen handeln, uns aus unserer Komfortzone wagen und einerseits den Wettbewerb pflegen, andererseits auch interdisziplinär mit ganz neuen ­Partnern agieren, um innovative Ideen zu bergen. Wir sollten nicht begrenzen und vorzeitig verurteilen, wir sollten Ideen zulassen und nicht ausbremsen. Wir müssen das Althergebrachte mit dem Neuen verbinden, Brücken schlagen und dürfen uns nicht von politischen, gesellschaftlichen Krisen oder dem überbordenden Büro­kratismus ausbremsen lassen. Wir sollten den Strukturwandel als das sehen, was er ist – eine Chance für weitere Innovationen, die unsere Gesellschaft bereichern und uns nach vorne bringen.

Meine Damen, meine Herren, ich bedanke mich sehr herzlich für diese interessante und anregende Gesprächsrunde!

Den Roundtable moderierte Holger Garbs.

Quelle: GoingPublic vom 27.09.2022