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330 Tonnen Hochtechnologie: Herz der Protonentherapieanlage erreicht Dresdner Medizin-Campus

06.02.2013
Zyklotron und Gantry aus Belgien angekommen und mit Spezialtechnik in Neubau an der Schubertstraße gehoben

Zyklotron und Gantry aus Belgien angekommen und mit Spezialtechnik in Neubau an der Schubertstraße gehoben

Mit der Anlieferung des Herzstücks – dem Protonenbeschleuniger (Zyklotron) und der drehbaren, aus Gantry und Nozzle bestehenden Bestrahlungseinrichtung – beginnt der Schlussspurt des Neubaus auf dem Campus der Dresdner Hochschulmedizin. Die ersten Ärzte und Wissenschaftler werden im Herbst dieses Jahres ihre Arbeit in der weltweit einmaligen Forschungs- und Entwicklungsplattform für innovative Technologien zur Strahlenbehandlung von Krebserkrankungen aufnehmen können. Nachdem die wesentlichen Arbeiten an dem Gebäude abgeschlossen sind, wird nun die hochkomplizierte Technik installiert, um voraussichtlich im Frühjahr 2014 parallel zu den Forschungsvorhaben die ersten Krebspatienten behandeln zu können. Die Trägerinstitutionen der wissenschaftlichen Einrichtung „OncoRay“ – das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, die gleichnamige Medizinische Fakultät der Technischen Universität sowie das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) – haben sich mit dem Ziel zusammengeschlossen, eine neue Dimension einer schonenden Strahlentherapie zu erschließen: In Dresden wird dazu in den kommenden Jahren der Einsatz von Protonen in der Krebstherapie patientennah und jenseits kommerzieller Zwänge weiterentwickelt.

In den wenigen Tagen der Anlieferung und des Einbringens von Zyklo­tron und Gantry ist es möglich, dass eine breite Öffentlichkeit die Bestandteile der Protonentherapieanlage in Augenschein nehmen kann. Die Dimension der High-Tech-Installation des Belgischen Weltmarktführers für Protonentherapieanlagen Ion Beam Applications S.A. (IBA) setzt Maßstäbe: Allein die Gantry, eine zusammengebaut 13 mal 11 Meter messende, 370 Grad drehbare Stahlkonstruktion, wiegt 110 Tonnen. Über diesen Stahlkoloss legt der gebündelte Protonenstrahl die letzten Meter zum Patienten zurück. Doppelt so schwer ist der am 6. Februar eintreffende und noch am selben Tag auf sein Fundament gesetzte Protonenbeschleuniger. Durch Ihn werden die Partikel auf etwa zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit – das sind ungefähr 180.000 Kilometer in der Sekunde – beschleunigt. Damit der Protonenstrahl auf dem über 50 Meter langen Weg vom Zyklotron über die so genannte Beamline und die Gantry in höchster Präzision zum Patienten gelangt, wird er von über 50 mehrere Tonnen schwere Quadrupol- und Dipolmagneten geleitet. Die auf ein Tausendstel Millimeter genau justierten Magneten stellen die korrekte Form und Richtung des Strahls sicher.

Um den Protonenstrahl zu erzeugen und auf den Weg zum Patienten zu bringen, ist hochkomplexe Computertechnik notwendig, die speziell für die Protonenbeschleunigung konzipiert und produziert wird. Bevor ein Expertenteam diese im Neubau installiert, halten die tonnenschweren Konstruktionen von Gantry und Zyklotron Einzug. Letzteres war mehrere Tage mit einem Schwerlast-Konvoi von Belgien nach Dresden unterwegs, der dabei über 800 Kilometer zurücklegte. Entwickelt und hergestellt wird die Anlage von der IBA, ein Unternehmen, das weltweit bereits 13 im Therapiebetrieb befindliche Protonentherapieanlagen errichtet hat und derzeit zwölf weitere aufbaut.

Dresdner Projekt verbindet Krankenversorgung mit Forschung

Mit der Protonentherapie als innovative Form der Strahlenbehandlung von Krebspatienten bieten das Universitätsklinikum gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät und dem HZDR Spitzenmedizin, die derzeit in Deutschland auf universitärem Niveau nur in Heidelberg und demnächst auch in Essen sowie weltweit an rund 30 Krankenhäusern verfügbar ist. Damit unterstreicht die Dresdner Hochschulmedizin ihre deutschlandweit führende Rolle in der Versorgung von Krebspatienten. Vorteil dieser ersten Protonentherapieanlage Ostdeutschlands ist, dass Patienten dank der vielfältigen und praxisnahen Forschungsprojekte am Dresdner Onco­Ray-Zentrum frühzeitig von weiteren Innovationen dieser noch neuen Therapieform profitieren werden. Das ist ein wesentlicher Grund für Klinikum, Fakultät und HDZR, sich für diese durch die Europäische Union, Bund und Freistaat geförderte Millioneninvestition zu entscheiden. Ziel ist es, den Einsatz der Protonentherapie auf weitere Krebsarten auszuweiten. Derzeit übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten bei bestimmten Tumoren zum Beispiel im Gehirn und im Bereich des Auges.

Quelle: Gemeinsame Presseinformation  des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden (TU Dresden) und des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) vom 06.02.2013

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